Donnerstag, 23. August 2018

CGM 447: TRAKTATE JANS VAN LEEUWEN (TEIL 6)

fol. 11 r: Wer von einer geistlichen Krankheit gesundet ist, auf den muß man besonders aufpassen: "wann es ist sicher grosse not so eyn mensch von eyner grosßen gaistlichen kranckhait das ist von allen seynen sunden gesundt ist worden das man des menschen nun ser war nem von aller hant ungesunter speiß" (...daß man also seiner wahrnehme und ihn von allerhand ungesunder "Speise" bewahrt). Zitat: BIBEL: "als der weiß man spricht" (Sapientia ?). Es folgen nun die sieben Punkte (sozusagen die Kur gegen alle Falschheit): "diß ist dy aller pest ertznei (Arznei) wider (=gegen) all gaistlich kranckhait dy zu uberwinden":
1) "das erst zaichen eyner newen hüt (=Behütung, Bewachung, Fürsorge) do sunderlich (=besonders) eyn gaistlich mensch mit anvahen solt das ist das er seyn hertz abzyehen soll von aller heymlichen wandelung und soll all menschen auff ziehen und sy wissen zu got" (die erste Fürsorge, womit besonders ein Geistlicher anfangen soll, ist, daß er sein Herz abwende ("abziehe") von allem heimlichen Lebenswandel (auch: Lebensart, Handeln, Umgang); er soll alle Menschen zu Gott erheben ("hinaufziehen") und weisen).
2) "das ander das sich eyn gaistlich mensch von allen zeitlichen dingen also entplosßen soll das ym all zeit lieber sey mit geben dann mit nemen" (Punkt zwei ist: daß sich ein geistlicher Mensch von allen vergänglichen Dingen entblößen soll (befreien soll; frei machen soll) und daß es ihm zu jeder Zeit lieber ist zu geben als zu nehmen).
3) "das drit das sich ein gaistlich mensch nit betrub noch erfrewen (lies: erfreuen) soll von zeitlichen gewynne oder verlust" (man soll sich weder wegen Gewinn vergänglicher Dinge erfreuen noch wegen deren Verlust betrüben; da diese nichts zum Seelenheil beitragen).
4) "das vierd eyn gaistlich mensch soll sich nicht unterwinden außwendig ding der er ledig mag seyn" ( er soll nicht äußere Dinge auf sich nehmen; wofür er dann zu sorgen hat; dieser Dinge sei er ledig!).
5) "das funfft ayn gaistlich mensch soll seyn werck thün (lies: tun; tuen ?) freywilligclichen got zu eren on yn wendige geschwerung" (er soll seine Werke tun zur Ehre Gottes, und zwar freiwillig, ohne daß er es als Beschwerung (Last) ansieht).
6) "das sehst ayn gaistlich mensch soll des seynen an kaynen dingen suchen weder an got noch an kayner creatur" (ich verstehe den Satz so: ein spiritueller Mensch soll nach dem Seinen (=seinen Vorteil) bei keinen Dingen, also nirgends, suchen, weder bei Gott noch bei einer Kreatur, also nichts und niemand instrumentalisieren!)
7) "das sibend ist wenn der mensch so zu grund gelassen ist und so dymütig und auch so bloß unter got alßo das er nichtz will und kan erwelen" (wenn er von Grund auf gottergeben ist, demütig und entblößt (nackt), daß er nichts mehr will und wollen ("erwählen") kann (möchte).
That's it: "das sind dy selben menschen dy all zeit an der sel gewynnen und nicht verließen" (das sind die, die immer an der Seele gewinnen und nicht verloren gehen (nichts verlieren, nicht verderben).
Grund: "wan ich sag euch fur wahr das uns kaynes dings mer nottdurftig wer zu der sel hail dann das sich eyn yetzlicher mensch der da lebt auff ertrich mit armüt und mit elenden leiden wol behelffen mocht" (denn ich sage euch, wahrlich, das keine Sache nötiger wäre zum Seelenheil, als daß sich ein jetzt lebender Mensch (?), der auf dem Erdreich lebt, mit Armut und elenden Leiden wohl helfen möchte"; Armut und Elend als eine Art Selbsthilfe, um sich von vergänglichen Dingen zu bewahren). Denn es gibt niemand, der nicht etwas zu leiden hat: "wan es ist nymant (=niemand) auff ertrich so wol auff dem weg ym kam zu weil (=zuweilen, manchmal) etwas zu das er leiden müsß es sey ym lieb oder laid" (denn es gibt niemand auf dem Erdreich, dem es auf dem Weg so wohl ergeht (oder: sowohl auf seinem Weg), ohne daß ihm zuweilen (manchmal) "zukam" (zustieß; auf ihn zu kam), daß er etwas zu leiden habe, sollte es nun ihm lieb oder leid sein).
Schlußfolgerung: "sehent also vil der mensch mer umb gottes willen leidet das seyner natur wider ist also vil ist eyn mensch ermer von gaist denn eyn ander und das ist ym denn verdynlicher dann eynem andern" (seht, je mehr nämlich einer um Gottes willen leidet, was seiner Natur entgegen ist, desto ärmer ist er im Geist (=einfältiger, was ja eine Tugend ist!) als ein anderer, und das ist dann auch noch verdienstlicher, als dies bei anderen der Fall ist!).
Wann ist der Mensch vollkommen: "wiltu wisßen wer eyn volkum(men)er (?) mensch sy oder waß eynem volkummen menschen zu gehört" (zu einem solchen gehört).---Antwort folgt.---
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