Menschseins loswerden ("darumb ist not daz der staub un-(fol. 217 r)-serer menschait werd nider truckt..." (recht so!). Erklärung: Wir sind wie die Heuschrecke, die nicht merkt, daß ihr Gefahr droht (vaeren, mhd.=nachstellen, gefährden; oder. verne=fern ?). Wenn wir den Staub unseres Menschseins abgeschüttelt haben, können wir zur Wahrheit gelangen. Warnung vor Hochmut! Wie der Weihrauch seinen guten Geruch verliert, wenn er der Flamme ausgesetzt wird ("wan als der weyrach seinen edeln gesmak verleust so die flammen des fewrs daruntter kumbt"), genauso verlieren unsere guten Werke ihren Wert, wenn sie aus schnöder Ehrsucht geschehen ("allso verliesen unsere guette werck iren edeln gesmack so sich die eittel er daruntter mischt die nichcz anders ist dann ain betrüger"). Gott gäbe uns viel Gnade, wäre da nicht unsere Hoffart("wann got wer uns albeg willig vill gnaden zw geben wenn unser hochfart in nicht hintteret"). Denn was uns Gott an Gnade gibt, das stiehlt die Hoffart ("wann was uns got von seiner guet genaden geit die stilt uns die hochfart und verkaufft sy umb ain haller (=Heller; Pfennig) werd vallscher eren (=für falsche Ehre). Dafür müssen wir "blechen" ("des wir offt entgelten müessen"). Ergo: Der Überheblichkeit mit Demut begegnen. Je vollkommener das Werk, desto größerer Verdienst.-?-Vermutung: Gott bewahrt die Welt durch die Werke der Guten, was sonst nicht geschehen würde. Aufruf zum Rückzug von der Welt: "darumb welt ir geistlich ding erkennen so ziecht auch an das höchst (=möglichst viel) ewer sel von der unsaubrikait zeitlicher ding" (um geistliche Wahrheiten zu erkennen, muß man sich vom Schmutz irdischer Dinge lösen). Ebenso muß man sich vom Gefängnis der eigenen Natur abtrennen ("und tailt euch ab von der fencknuß ewer natur"). Dann merkt man, daß alle Dinge im Vergleich zur Weisheit nichts sind ("so werd ir mercken daz alle ding gegen der weißhait nichcz sind"). Diese führt zu einem guten Ende. Wer das werden will, was er jetzt ist, muß das verlassen, was er gewesen ist "der mueß verliesen daz er gewesen ist").---
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Mittwoch, 8. August 2018
Dienstag, 7. August 2018
KLOSTERLEBEN, CGM 800, fol. 216v
behelt allso ist die hochfart ain untrewe diebin so sy von irs herren guet stilt mit dem sy sich ziert und erchaufft die ir nit zw gehören";...etwas behält, folglich ist die Überheblichkeit eine untreue Diebin, die vom Gut ihres Herrn stiehlt, sich damit ziert und kauft, was ihr nicht zusteht). Wer denkt, er sei etwas, ist fern der Wahrheit ("wann wer sich ettwas schäczt der erkent der warhait nicht"). Wer sich aber für wertlos hält ("und wer sich nichcz werd schäczt"), es dennoch nicht mag, verschmäht zu werden, der sieht zwar die Wahrheit, hat sie aber nicht lieb ("und mag doch nit leiden daz man in versmäch der siecht die warhait und hat ir nicht lieb"). Ergo: "lernt vom herren demütig zw sein und versmächt euch selber so seit ir im lieber mit mynnern gnaden dann mit mer gnaden übermüetig"; allso, vom Herrn Demut lernen, sich selbst verschmähen, so ist man dem Herrn lieber mit geringeren Gnaden, als wenn man übermütig ist durch mehr Gnade). Besser ein demütiger Jünger als ein hochmütiger (hoffärtiger) Meister ("und in der maß ist albeg ain demüetiger junger pesser denn ain hochuertiger maister"). Die Gnade des Herrn ist nicht billig zu haben ("und dar umb macht uns der herr ettwan (=bisweilen) die gnad tewr (lies: teur) daz er uns erschreck und demüetig werden er verhengt (befiehlt; verhängt etwas über jemand)").-"auch ettwann daz man und die gnad verkert als ob sy unrecht sey daz wir uns der nicht überheben"; auch passiert es manchmal, daß uns die Gnade ins Gegenteil verkehrt wird, als ob sie uns nicht zustehe, damit wir nicht überheblich werden).-"wann so man uns albeg umb unsere guette werck loben thät so thet man der hochfart die thuer auff von der wir hie der tugent beraubt würden"; wenn man uns ständig lobt wegen unserer guten Werke, so tut man der Überheblichkeit (dem Stolz) die Tür auf(machen), wodurch wir dann der Tugend beraubt würden). Der Lohn ware dann "futsch" ("und entzöt des lons; entzoehen=entziehen). Hat man zuviel Gnade, Tugend und gute Werke, "so es nötter ist das man sy nidertruck" ; dann muß man sie "niederdrücken; nieder-,kleinhalten. Wenn Gott unsere guten und bösen Werke gegeneinander abwägt, dann müssen wir uns fürchten ("wan so got unser guete und pöse werck würd gegen ainander wegen (=abwiegen; abwägen)). Es kann nämlich dann sein, daß wir keine Freude, sondern Qual haben. Sehen wir aber die Demut der heiligen an und unsere kleinen Werke, so sind wir hinsichtlich der Tugend (oder in der Tugend ihm gegenüber ?) ("so wir ansechen der heiligen diemüettigkait so sein wir in tugentten gegen in") wie die Heuschrecke gegenüber dem Rechen, die nicht die wahre Situation ihres Lebens realisiert, wie wir ihr aus der Entfernung nachstellen (?) ("als die heuschrecken gegen den rechen und sechen chaum zw der warhait irs lebens aus unserm veren (=fernen?) nachuolgen"). Darum müssen wir den staub unseres-
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Anmerkung: bei manchen Umlauten wie "ü" sind die Striche Reste eines übergeschriebenen "e", so daß entweder einmal "ü" und einmal "ue" gesprochen wurde oder beidesmal "ü"; daneben gibt es die Variante "üe".
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Anmerkung: bei manchen Umlauten wie "ü" sind die Striche Reste eines übergeschriebenen "e", so daß entweder einmal "ü" und einmal "ue" gesprochen wurde oder beidesmal "ü"; daneben gibt es die Variante "üe".
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KLOSTERLEBEN, CGM 800, fol. 216 r
"da mit sy sich selber tödten" (womit sie sich selber umbringen). Daher sei man seiner Feinde nicht feind ("darumb lern daz dw deiner veindten nicht veindt seist"), wodurch man zeigt, daß man ein kind des Himmels sei ("so ist es ain gewisß zaichen daz dw pist ain chindt des himelischen vaters und ein ler (Jünger; oft zur Umschreibung: eine Art von) junger Jhesu Christi und ain wonung ir paider geist der die ainfeltigen jungeren grosse ding gelernt hat und der das fewr in seiner lieb in den seinen prinnen macht und frid und rew iren herczen geit da von er mit kaim rauch des hasß auß seim suessen weinstock müg vertriben werden dar umb süllt ir von Jhesu Christi lernen ain demütigs hercz zw haben daz gedultig und senfft sey"; man beweist dadurch auch, daß man ein Jünger Jesu sei und eine Wohnung beider (Gottes und Jesu); Jesus hat seinen einfältigen Jüngern große Dinge gelehrt; er bringt das Feuer seiner Liebe in den Seinen zum Brennen, gibt ihren Herzen Friede und Reue, so daß kein Haß ihn (sie?) aus dem "Weinberg" vertreibt; daher solle man von Jesus lernen, ein demütiges Herz zu haben, das geduldig und sanft ist). Die lieben Heiligen waren schließlich auch demütig ("wann die lieben heiligen haben grosse demütigkait und rew umb ain sundt gehabt"). Diese ergreifen mehr die Wurzeln als die Äste (bildlich) ("wann sy fachen mer an die wurczen dann die est") Ebenso tut ihnen Gott mehr Gutes, wenn sie ihre Versäumnis erkennen und ihre Undankbarkeit ("undanckperhait") und je höher sie aufstiegen, desto mehr demütigten sie sich ("Si schieden daz licht von der vinsternis und fachen an die genad irs zw nemens (Zunehmens in der vita spiritualis) des sy sich unwirdig zamen"; d.h. sie unterschieden gut von böse, waren also in der Lage das Lichte vom Finsteren zu unterscheiden; sie erfuren die Gnade, die aus ihrem geistlichen Fortschritt resultiert, der sie sich aber für unwürdig hielten; zamen: Praeteritum von "zimen", reflexiv+genetiv=sich dünken;-oder: sie enthielten sich?)-Doch die lieben Heiligen wollten sich deswegen nicht "überheben", da sie merkten, was von ihnen und was von Gott stammte. Daraus soll man verstehen, wie die Wahrheit zur Demut (Bescheidenheit) führt "und wann wir davon weichen so tretten wir in die betrogen hochfart"; also weichen wir davon ab, so betreten wir das Gebiet der betrügerischen Hoffart (Überheblichkeit). Wer aber nicht einhält, was ihm befohlen ist, "der wirt dem geleich der aus untrew ettwas dieblich..."; d. h. daß ein solcher dem gleiche, der infolge von Untreue wie ein Dieb...
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KLOSTERLEBEN, CGM 800, fol. 215 v
Wer in "widerwertikait in ungedult funden wirt", den fechtet nicht die Pein, sondern das Übel der Ungeduld an. Ein solcher wird mit einem Kupferpfennig verglichen, der ins Feuer geworfen wird. Ist dieser nicht im Feuer, erscheint er silbern. Im Feuer erscheint er aber kupfern, also minderwertiger ("chupffern pfennig die weil der im feur nicht ist so erscheint er clar silber chumbt er aber in daz fewr so wirt sein chuppfer offenbar und daz ist von feur nicht geschehen sunder von seiner unlauttikait prechen (=Gebrechen)"; das Feuer steht für das Mißliche; das Offenbarwerden des Kupfers für die Ungeduld). Begehrt man etwas, bekommt es aber nicht, so übe man sich in Geduld und habe ein sanftes Herz, wodurch man der Tugend nutzen und der Untugend Schaden bemerkt ("der tugent nucz und der untugent schaden").-?-Betrübt dich jemand, vergiß es und überlaß es Gott, daß er dich durch sich selbst erfreue und sein Geist in dich gehe ("und trinck in dich sein geist der seiner veinde mit güttigkait auff pesserung wardt"; d.h. der Geist Gottes wartet in Güte auf die Besserung der Feinde; da kann man vermutlich lange warten!).-Wenn man uns gute Dinge als Übel auslegt, so hat man vierfachen Nutzen davon ("wann so man uns guette ding in übel cherd (=verkehrt) daz ist uns in vier dingen nücz"): Der künftige Lohn wird vergrößert und die Sünde vermindert ("wann es mert (=vermehrt) uns den chünfftigen lon und myndert uns die sund").-Man ist besser auf der Hut ("und sein dester paß in huet"), so daß die Tadler uns nicht finden, wie wir unsern Sinn is Gegenteil verkehren ("uns nichcz vinden zw vercheren und fügen unsern muet")-?-Richten wir also unsern Sinn auf Gott, so daß wir in aller Anfechtung von ihm erfreut werden ("auff daz wir der aussern anweigung (=Anfechtung, Versuchung) von im selber ergeczt (=ergötzt; erfreut) werden und seid (=so daß; damit; zumal) uns denn die veindt in söllicher maß nicht geschaden mügen noch an unser verhengnuß betrueben"; so können uns die bösen Feinde nicht schaden und zu unserem Verhängnis werden).-?-Das Übel der Feinde fügt ihnen selber Schaden zu. Wir sollen uns deren Übel erbarmen ("die in selber schaden thuen und lassen uns ir übel erparmen").-
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KLOSTERLEBEN, CGM 800, fol. 215 r
Ebenso wird mancher im Leiden belassen, wenn nicht, würde er seine Seligkeit verlieren ("allso wirt maniger mensch in leiden gelassen sollt es nicht sein er verlür sein seligkait" (quod absit=was ferne sei!)). Ist gerade kein Leid da, schickt Gott sofort neues (orgt sozusagen für Nachschub), bevor er einen ohne Leiden ließe ("ee er sein freundt an leiden ließ"). Wie auf einen kämpfenden Ritter sieht das Himmelreich auf den Leidenden ("auff ein starcken vechtenden ritter im chempffen oder im türnieren als daz himlisch her auf ainen leidenden menschen sieht"). Der Weg zum Himmel ist schmal und eng ("wann es ist der eng weg an dem sich die sel durch die tür des himels tringt und singt vor got ain suess gesang daz all engel im himel nye gesungen haben"; die Seele singt dann auch noch ein schönes Lied, wie es niemals zuvor die Engel gesungen haben; das ist doch was!)-?-Hat einer die Tugend, so schätze er sie gering und erkenne lieber die Größe Gottes und die eigene Nichtigkeit ("dz er sy dennocht albeg nötig und arm schecz"; "und erkenn die größ gocz und sein clainhait"). Denn nur die werden der himmlischen Süßigkeit teilhaftig, die mit Christus in der schlimmsten Bitternis sind ("die mit Christo sten in der herttisten pittrigkait"). Trägt ein Feind einem Unruhe ins Herz ("unrue in seim herczen"), so soll einem das Übel seines Herzens nicht berühren ("daz übel seins herczen"), zumal man sich ja nicht in dessen Herz befindet. Und wenn er etwas gegen dich sagt, so ist dies ohne Bedeutung ("spricht dir er ettwas laidigs zw daz wort tregt der wind hin"; das trägt der Wind fort, also "gone with the wind").-?-Wie den Willen nichts zur Sünde zwingen kann als er selbst, so kann auch das Herz nichts betrüben als es selbst. Wie mir niemand etwas Gutes erweisen kann, es sei denn ich lasse es zu (Sinn unsicher), so kann mir niemand Leid zufügen, wenn ich es nicht will "also mag mir nye mancz laid thuen die weil ich mirs selber nicht laß laid sein" d.h. wenn ich es mir nicht zu Herzen nehme, also zulasse, daß es mich verletzt).
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KLOSTERLEBEN, CGM 800, fol. 214 v
Es ist für den Knecht eine große Ehre, es dem Herrn gleich zu tun. Man soll sanftmütig sein und, was einem widerfährt, soll man so annehmen, als ob es vorher von Gott angeordnet worden wäre ("was dir wider fürt daz entpfach in der maß daz dir es von got vor allso zw geordnet hab"). Ist man krank und keiner hilft (schon damals wurde man diesbezüglich hängen gelassen), dann denke man an die Leiden des Herrn ("so gedenck an Jhesum Christum der in seinen grossen nötten spot und smachait gelitten hat und dem in seim leczten durst von allen den wassern die auff erden waren chains geben ward sunder gallen und essig"; Jesus erlitt Spott und Verschmähung, bekam kein Wasser, sondern bitteren Essig). Himmlischen Lohn muß man sich mit Geduld verdienen: "darumb wild dw manigueltigen lon zw himel haben so muestu in mit manigerlay gedult verdien". Je mehr man sich den Leiden Christi angleicht, desto gleicher wird man dort seinen Freuden, je mehr man sich ihm annähert ("wann so dw hie dem leiden Jhesu Christi ye gleicher wirst so dw (sprich: du) im dort in seinen frewden ye nächentter wirst").-?-Gott züchtigt jeden, den er liebt ("und gaiseld ain yeden den er lieb hat"). BERNHARD VON CLAIRVAUX spricht: Selig die, die im Leiden einen starken Mut haben. Gerade die Frömmsten werden odt hart versucht ("wann in söllicher maß werden die aller frummisten menschen auf daz aller nächst versuecht"). Wer sich Gott unterwirft, der muß zwangsläufig von der Welt verleugnet werden ("der mueß von der welt gancz verlaugnet werden"). Das ist der kürzeste und nächste Weg zum ewigen Leben ("dar umb daz daz willig leiden der chürczist der nächst und sicherst weg zw dem ewigen leben ist").-?------
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Montag, 6. August 2018
KLOSTERLEBEN, CGM 800, fol. 214 r
Wir sollen für alle Wohltaten Gottes ("alle guttat gocz") ihm Lob und Ehre geben ("im lob un er geben"), und die Dinge,die uns Gott gibt, sollen wir sinnvoll gebrauchen, damit er sie nicht in seinem Zorn von uns fordere ("und süllen die selben ding nüczlich prauchen auf daz sy got in sein zorn von uns nicht voder". DER MEISTER VON PARIS: Lern von Christus, sanft zu sein, damit "dw alle deinen muet allain auff zw got cherst und auf die gehorsam des gemainen ordens daz dw nit von andern gemerckt werst leiplichen lust zw suechen an (=ohne) rechte not" (seinen Sinn allein zu Gott kehren und dem Orden gehorchen; keine Lust ohne Not suchen). Auch dies soll man tun: "zeuch deinen muet von allem dem daz dich nicht angeht und daz der gemain Ordnung nicht schad sunst laß ain yeden daz sein thuen und sein sitten hallten" (seinen Sinn abwenden von Dingen, die einen nichts angehen, der allgemeinen Ordnung nicht schaden und jeden in seinem Tun und in seiner Lebensweise lassen)-?-"Wes dw machst pessert werden daz nym auff und laß daz ander hingen" (evtl: was man (an sich? an anderen? an etwas anderem?) verbesern kann, das tue und laß anderes hingehen (unbeachtet)).-"Dein hecz bekümer nit mit urtailen seistu (=zumal du) nit waist in wellichem synn daz selb geschicht wann als wir offt ettwas sehen und haltens für ain anders dann es ist allso scheczen wir offt ain gücz für ain pöß" (d.h. wir sollen uns nicht mit beurteilen anderer (von anderem) bekümmern (belasten), da wir oft gar nicht wissen, in welcher Absicht etwas geschieht; wie wenn wir etwas sehen und halten es für etwas anderes, als es ist, ebenso schätzen wir oft ein Gut für etwas Böses, d. h. wir beurteilen die Dinge falsch). Kümmere dich nicht um dies, was du eh nicht verbessern kannst ("was dw zw guet nit bechern (=kehren, verändern) magst um dasz piß (=sei) unbechumert sunder leid ains mit dem andern und üb an dem dein gedult" (nimm es, wie es ist und betrachte es als Einübung in der Gedult).- Wenn dein Schweigen mißfällt, sprich mit sanften Worten ("Ob ettwan von deim gsweigen ein misuallen chumen möcht daz von deiner red mag pessert werden so sprich mit senfften wortten dw seist der ding unschuldig die man dich zeucht (das du der Dinge unschuldig seist, deren man dich zeiht (=die man dir vorwirft; deren man dich bezichtigt). Glaubt man dir aber nicht, so ertrage es wie Jesus ("glaubt man dir nicht so trag dein (hier ist etwas darübergeschrieben) schuld in daz unschuldig leiden Jhesu Christi der vil unrechts durch deinen willen erlitten"; dieser hat viel Unrecht gelitten).-
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