Samstag, 11. August 2018

FREIBURG, HS 219, NOVIZENTRAKTAT, 29 r-31 v

29 r: Gehe nur heraus, wenn es nötig ist. ("eß sy denn sach das eß nott ist"),, wenn man z.B. von dem Oberen gerufen wird.
13. KAPITEL: Wie man immer züchtig sein soll
Man soll nicht heimlich tun und sich vor sich selber verstecken, man soll züchtig und lauter sein in all seinem Wandel, im Gesicht, Gehör, Verstehen und in den anderen Sinnen,
29 v (?): so als ob du immer von anderen gesehen wirst, denn immer sind die Engel mit und bei uns. Auch sieht uns Gott, unser Richter, mit den Augen seiner Gottheit. Er sieht auch unser Gewissen.
30 r: Gott wird Zeugnis geben über uns und uns verklagen. Wer aber Gott mehr fürchtet als den Menschen, der ist ein Liebhaber der guten Dinge. Wenn er aber sich nicht von Bosheit abkehrt, dann kann er nicht zur Tugend und Zucht kommen.
14. KAPITEL: Wie sich ein geistlicher Mensch gegenüber seinen Schwestern halten soll
Man soll sich den Mitschwestern gegenüber schamhaft erzeigen.
30 v: Man soll sich lieblich erzeigen, bescheiden, züchtig in Worten und Werken. Auch solle man nicht die anderen beschweren (belasten) mit schlechter Laune und Ungeduld. Auch solle man nicht leichtfertig schimpfen und unnütze Worte machen. Man soll in allen Werken und Worten behutsam sein, damit man kein
31 r: Ärgernis sei den Mitschwestern.
15. KAPITEL: Von der Zucht: im Gehen, Stehen, Sitzen, Gesicht
Dein Wandel sei fest und züchtig. Man soll nicht unnötig herumlaufen und nicht seinen Kopf erhoben tragen. Man soll nicht weitschweifig sein (s.o.) mit den Augen und mit den Armen herumwedeln und dergleichen weltliche Sitten an sich haben. Wenn man sitzt, soll man dies demütig und andächtig tun.
31 v: Warnung vor Trägheit1 Zeichen eines andächtigen Menschen ist ein mäßiges und seltenes Lachen. Ohne Lachen erzeigt man mehr Güte als mit Leichtfertigkeit. Gegenüber den Mitschwestern habe man immer ein fröhliches Antlitz.
16. KAPITEL: Von der Zucht der Rede und Worte und wie sich ein geistlicher Mensch vor Nachrede hüten soll
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FREIBURG, HS 219, NOVIZENTRAKTAT, 26 r-28 v

26 r: Auch hier gilt: Maß halten! Zu wenig ist nicht immer nützlich, weil dann der Leib abnimmt und der geistliche Mensch nicht zu seinem Ziel kommt.
26 v: Der böse Geist fechtet uns oft an und versucht uns, wenn er merkt, daß jemand nicht zuviel tun will. Also ficht er ihn an, daß er zu wenig tue.
10. KAPITEL: Wie man sich bei der Arbeit verhalten soll
Man sei immer bereit, niedrige und demütige Arbeit zu verrichten wie z.B. an der Kirchenpforte zu warten
27 r: oder andere Arbeiten zu übernehmen, die verachtet und verschmäht werden wir Holz tragen, kehren, fegen, schaufeln usw. andere waschen, Kranken dienen, was vor Gott besonders wohlgefällig ist. Tut man dies zur rechten Zeit gern, so ist dies vollkommener, als wenn man es nur so ausgeübt hätte.
11. KAPITEL: Von der Beichte
27 v (?): Mindestens einmal pro Woche soll man sich an den Beichtvater wenden. Geht dies nicht, so beichte man Gott und den Engeln jeden Tage. Dies geschehe ordentlich und einfältig und vollständig. Auch solle man nicht einen Umhang um und über seine Sünden hängen.
28 r: Man soll bei der Beichte auch nicht endlos plappern, Geschichten und Märchen erzählen und dergl., wie das viele tun. Damit macht man den Beichtvater nur verdrossen, und er weiß nicht mehr am Ende, was du am Anfang gesagt hast. Man soll kurz, in offenbarer Weise und vollständig beichten, besonders die schweren Sünden. Es ist unnötig, die kleinen Dinge zu beichten. Dadurch wird der Beichtvater nur beschwert.
28 v: Man soll auch nichts verheimlichen, sonst ist die Beichte nutzlos. Dazu bedarf es eines steten Vorsatzes. Man soll auch bei der Beichte nicht liederlich sein und andere verklagen. Man soll nur sich selbst anklagen.
12. KAPITEL: Von der Klosterzelle
Sei gern in der Zelle und tue dort etwas, das dich zur Besserung führt wie schreiben, beten, lesen, schlafen.
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FREIBURG, HS 219, NOVIZENTRAKTAT, 23 r-25 v

23 r: Man soll nicht verachten, was man zu essen bekommt. Viele Menschen nämlich haben nicht einmal den vierten Teil davon zu essen. Daran soll man denken. Es gibt keine genaue Regel, wie viel man essen soll, aber es ist gut, das Mittelmaß zu halten. Zu viel fasten macht stumpf und schwach ("ain groser und unordenlicher abpruch der speiß ist ain ursach das der mensch bled und schwach wiert").
23 v: Das ist dann für den Gottesdienst hinderlich. Zu viel essen führt zu Trägheit und dazu, daß man für geistliche Werke ungeschickt wird. Daher ist nichts nützlicher als die Erfahrung. Sie soll eine Meisterin in den eigenen Dingen sein.
8. KAPITEL: Von der heiligen, willigen Armut
Die freiwillige Armut ist eine Freundin Jesu. Sie soll einem wohlgefallen in allen Werken, beim Essen, Trinken, bei der Kleidung, bei Büchern und allen anderen Gebrauchsgegenständen.
24 r: Hat man Mangel, soll man diesen gern leiden und immer ein fröhliches Antlitz zeigen. Man soll betrachten, wie demütig, lieblich und geduldig die willigen, armen Menschen antworten. Niemals soll Mißfallen von dir gehört werden oder eine Klage über das Essen oder über die Kleider. Sieh dich immer als unwürdig an. Wächst der äußere Mangel, so nimmt die innere Gnade zu.
24 v: Äußere Armut muß man geduldig, freiwillig, dankbar und fröhlich tragen, ja man muß darauf begierig sein: Ohne Zweifel  werden wir so reich und wohlhabend vor Gott.
9. KAPITEL: Wie man es halten soll mit dem Schlaf und dem Ort, wo man schläft ("uff dem dorment")
Dort soll man ruhig sein, damit niemand deiner wegen erzürnt werde und zu Unruhe komme, sei es beim Beten, sei es beim Lesen oder beim Schlafen.
25 r: Wenn man erwacht, soll man immer an die Güte Gottes denken, denn er wacht über uns, wenn wir schlafen. Wenn man schlafen geht, so soll man vorher etwas Gutes betrachten von den Leiden Christi oder sonstwie andächtig beten. So soll man einschlafen, dann wird dein Schlaf unbeschwerlich und man hat angenehme Träume.
25 v: Danach kommt man wieder in die Andacht, in der man zuvor war. Man soll auf züchtige weise ruhen, nicht wie die vernunftlosen Tiere, wie es eben einem geistlichen Menschen zukommt. Darum schläft der Geistliche in den Kleidern. Über die Dauer des Schlafes gibt es keine Regel.---
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FREIBURG, HS 219, NOVIZENTRAKTAT, 19 r-22 v

19 r: Zitat ALTES TESTAMENT (Eva).-Wenn man gefragt wird, soll man frei heraus und demütig sprechen, was man für gut und heilsam hält. Wenn man deinen Rat nicht braucht, soll man sich keine Sorgen machen. Man soll auch nicht übermütig einen Ausspruch verteidigen. Es ist genug, daß man genug getan hat für sein Gewiseen, indem man sich über seine Schuld beklagt hat.
19 v: Man soll fröhlich eingestehen, wenn man die Klosterregel übertreten hat (?), und zwar mit einem angenehmen Angesicht (?). Warnung vor Neid und Haß. Man soll im Gegentei nur das Gute suchen und das Heil des Nächsten. Auch solle man niemanden verurteilen oder verklagen. Oft betrügt der Zweifel den Menschen.
20 r: Man soll nur begründet sich (über sich?) beklagen. Übertretungen soll man frei heraus eingestehen, wenn sie wahr sind. Anders verhält es sich bei unwahren und erfundenen Anklagen. Man würde in Gefahr kommen, wenn man diese auf sich nähme. Für unwahre Dinge
20 v: muß man sich nicht unziemlich (übertrieben) entschuldigen. Wenn die Beschuldigung gering ist, so erdulde man dies um Jesu willen, denn am Ende wird es sich doch als wahr oder unwahr herausstellen. Wird man aber von seinen Oberen zur Rede gestellt, so entschuldige man sich und antworte man nach seinem Gewissen. Ein Diener Gottes soll sich nicht scheuen, eine Schande zu leiden.
21 r: ZITAT: NEUES TESTAMENT (Abendmahl). Nimm Jesus als Spiegel für alle deine Werke (stehen, gehen, sitzen, liegen, essen, trinken, schweigen, reden etc.)
22 r: Empfehlung, negative Dinge geduldig zu leiden. Viele auserwählte Dienerinnen Jesu haben gelitten, und jetzt besitzen sie das ewige Leben.
7. KAPITEL: Wie sich eine Novizin oder ein geistlicher Mensch bei Tisch verhalten soll
Man soll bei Tisch die Augen niederschlagen und nicht weitschweifig hin-und hersehen. Man solle nur ein Aufmerken haben auf sich selbst und auf Gott.
22 v: Man soll die Worte Gottes wahrnehemn, die bei Tisch verlesen werden (lectio). Liest man aber nicht vor, so soll man selbst lesen (aber nicht irgendeine  Zeitung; Anm. d. Verf.) und Betrachtungen anstellen. Mit Zucht und Furcht solle man essen und unter Schweigen. Warnung vor Fresserei und Unmäßigkeit. Man soll sich nicht auf die Speise stürzen wie ein Hund, sondern dankbar diese empfangen. Man solle immer ein wenig (mehr) Mangel haben, denn (als) Überfluß.
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FREIBURG, HS 219, NOVIZENTRAKTAT, 16 r-18 v

16 r: Man soll eine kleine Zeitspanne vor der Messe aufstehen und vor der Andacht in der Klosterzelle, um den Geist besser auf Gott einzustimmen. Wenn man erwacht ist, soll man alle böse Gedanken von sich werfen sowie die unreinen Träume.
16 v: Dies soll man tun, damit einen der böse Geist nicht betrügt. Man soll niederknien, Gott sein armseliges Gebet opfern und sich in guten Betrachtungen und Andacht versenken. Dann vergehen alle bösen Gedanken und man wird den Tag besser verbringen.
5. KAPITEL: Wie man sich im Chor verhalten soll
17 r: Dort soll man den Geist zwingen, aufrecht und fröhlich (und wenn möglich nicht allzu falsch; Anm. d. Verf.) zu singen vor Gott und seinen Engeln, die bei dir gegenwärtig sind. Man soll auch nicht hin- und hersehen, auch nicht lachen und unnütze Worte machen, sondern züchtig vor Gott stehen.
17 v: Denn Gott ist nichts verborgen. Man soll auch die Psalmen richtig sprechen und nicht leichtsinnig durch den Chor laufen (und nicht vor dem Ende hinausgehen). Mahnung zur Sammlung und Warnung vor Weitschweifigkeit!
18 r: Das kommt nämlich von mangelnder innerer Vorbereitung. Sind wir aber vorbereitet, gehen wir besser aus dem Gottesdienst, als wenn wir es nicht wären. Man soll auch an diesem Ort alle bösen Gedanken von sich werfen, denn der böse Geist lauert gerade hier! Mahnung zur Andacht. Geht dies aber nicht
18 v: so soll man sich geistlich benehmen, damit sich die anderen nicht über dich ärgern.
6. KAPITEL: Wie man sich im Kapitel (=geistliche Körperschaft) verhalten soll
Nicht soll man mehr reden, als es nötig ist. Man soll demütig und bescheiden reden sowie sanftmütig, seine Schuld eingestehen und sich entschuldigen, wenn man von Gott gestraft wurde (Sinn ?).
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FREIBURG, HS 219, NOVIZENTRAKTAT, 13 r-15 v

13 r: Hat man nun Gehorsam gelobt, so ist man nicht mehr man selbst. Daher darf man ohne den Willen des Oberen nichts mehr tun wie ein Knecht. Geht dieser eigenmächtig mit dem Gut des Herrn um, so ist er ein Dieb. Also verpflichtet man sich seinem Oberen stellvertretend für Gott, nicht etwa um der Menschen willen, sondern um Gottes willen.
13 v: Man soll den Oberen im Kloster bitten, daß er uns sagt, was gut ist. Ist man aber nicht willig genug und zweifelt, so ist der Gehorsam noch klein.
14 r: Daher ist der Verdienst dann auch gering.
3. KAPITEL: Man soll Frieden haben mit seinen Klosteroberen
Auf keinenFall darf man ihnen schlecht nachreden. Das Laster der Nachredung wird von Gott schwer bestraft. Beispiel aus dem ALTEN TESTAMENT.
14 v: Man soll Nachsicht mit den Unvollkommenheiten der anderen haben und erkennen, daß sie auch nur Menschen sind.
15 r: Man soll nicht die Mängel der Vorgesetzten im Kloster verachten, um nicht dadurch Gott zu verschmähen. Im Gegenteil soll man sehen, daß Gott ihnen all das "eingieße", was zum Nutzen deiner und deiner Seele sei. Also soll man die Unterweisungen und Statuten nicht verschmähen und verachten, denn sie haben ihren Grund, auch wenn du ihn (vielleicht noch) nicht kennst.
15 v: Die SCHRIFT spricht: Wer einfältig wandelt, der wandelt sicher. Wer einfältig den Weg des Herrn geht, hat Friede hier in der Zeit und in der Ewigkeit
4. KAPITEL: Wie sich ein Novize halten soll, der vom Schlaf aufsteht
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FREIBURG HS 219, NOVIZENTRAKTAT, 9 r-12 v

9 r: In der Einleitung ("vorred"=praefatio) wird das Thema des Traktats genannt: die Schrift handelt von dem Anfänger im geistlichen Leben ("anfahenden gaistlichen menschen", "aines gaistlichen anfahenden lebes so der mensch noch ain novitz") und wie man ein geistlicher Mensch wird ("so würt er ain warlicher gaistlicher mensch").
9 v: Dazu muß man den Traktat oft lesen ("aber nott ist es das der selbig mensch den tractat offt sy (=sei) über lesen") und nach der Lehre leben, die darin beschrieben wird. Stellt man nun fest, daß man geistlich "abnimmt", so soll man dies bedauern und sich bessern. Dazu bedarf es der Hilfe Gottes, den man anrufen soll.
10r: Gott ist heilsam und macht die selig, die Hoffnung haben (Ende der Vorrede).
1. KAPITEL: Warum man in einen geistlichen Orden eintritt.
10 v: Dies tut man, um Gott "in disem ellenden störblichen leben" willig und fröhlich bis in den Tod zu dienen, so daß einem das ewige Leben zuteil werde.
11r: Wir sollen Gott dienen, weil er uns anders als die anderen Kreaturen geschaffen hat, nämlich mit Vernunft und freiem Willen sowie zu Herren des Erdreichs und nach seiner Gestalt.
11v: Um unser willen hat Gott menschliche Gestalt angenommen und uns erlöst vom ewigen Tod. Er hat sich hingegeben, damit wir das ewige Leben haben und hat uns über alles lieb gehabt.
2. KAPITEL: Vom heiligen Gehorsam
12 r: Der Anfänger im geistlichen Leben ist noch sehr unsicher und ungefestigt. Deshalb unterwirft er sich seinem Oberen, der ihn lenkt. also legt er sein Gelöbnis ab ("gelypnuß der profess"), damit ihm der Obere (Abt), den Weg weise ("das er dich sy weisen zuo dem weg gott deß heren"). Dazu muß man den eigenen Willen ablegen und darf nicht nach seinem Kopf leben.
12 v: Man soll dahin gehen, wohin der Obere uns zu gehen heißt. Dazu muß man die Klosterregeln des Oberen lernen, wie z.B. ein Kranker dem Arzt folgt. Dies tue man um des ewigen Lebens willen.
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