Es folgt eine Abhandlung über das Gewissen, in der drei Fragen aufgeworfen werden, die den anfangenden ("anfahenden), den zunehmenden ("zu nemenden") und den vollkommenen ("volkummen") Menschen in der "vita spiritualis" betreffen. So wird z. B. in der ersten Frage gefragt, was der schnellste Durchbruch zum vollkommenen Leben sei usw.
---
Ich werde für eine Weile auf unserer alten Mittelalterseite "diereichsburg. blogspot" weiterschreiben.
---
Montag, 27. August 2018
CGM 447: TRAKTATE JANS VAN LEEUWEN (TEIL 10)
fol. 17 r: Leiden wird als etwas Erstrebenswertes dargestellt: inneres ist besser als äußeres. Das äußere des Herrn hat uns ohne sein Mitleiden wenig geholfen. Ziel ist das "wesenlich an schauen der gothait" (also Wesensschau). Die gutwilligen Menschen wollen Gott durch ihr eigenes Erkennen (Wissen, Glauben) verstehen, was nicht funktioniert ("wollen got mit yr selbsbekantnüß versten und diß mag ie nit (=jemals nicht=niemals) gesein") wann got müsß mit sein selbs verstanden werden" (durch ihn selbst). Gefahr, Schaden zu nehmen: daß "sy dy ding nit als freilichen (=ungebunden; unbekümmert; ohne Hintergedanken (?)) thün und lassen zu der eren gottes als sy solten sünder sich selbs etwas dar ynn zu suchen"; sie tun also die Dinge aus Eigennutz). Christus: "spricht und lert uns das dy link hant nit wissen soll was dy recht hant thüe"; damit ist m. E. einfältiges Handeln gemeint, das nicht seinen Vorteil sucht).
fol. 17 v: "und hye pey versten wir das eyn gaistlich mensch (17 v) soll eynfeltigclichen suchen dy ere gottes yn allen seynen wercken ynwendig und außwendig" (und nicht einen billigen Vorteil). Und zwar soll er dies so tun "also daz er da von on geert und on lon gelobt begert zu sein den Menschen zu gefallen oder gaitlichen begeren von got" (also ohne, daß er geehrt wird, ohne Lohn, ohne den Menschen zu gefallen oder daß er von Gott Lohn haben will). Von diesen drei Dingen kommen alle geistlichen Hindernisse: "seht diß sind drey ding so sunderlich (=besonders) alle gaistlich hinderniß von komen". Man soll sich nur auf die Barmherzigkeit Gottes verlassen ("der sollen wir begeren tag und nacht auff das wir all zeit dymutige verworffne (=elende) knecht gottes seyn und beleiben biß yn den tod".-Die Armen soll man nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich speisen ("es ist nit genugk das ein mensch dy armen außwendigen kon speyßen"), und zwar mit "hymlisch speyß der gnaden gottes dy ewigclichen beleibt".
fol. 18v: Man soll die Seligkeit aller wollen ("und hier an ligt all unß(er) seiligkait". Gottes Erbarmen: "der sich über all menschen erbarmet hat leiplichen und gaistlich".
Explicit: "Noch mer ein grüntfest aller unßer seiligkait und heiligkait ist eyn lautere offene gewissen on alle straffung von tod sunden" (eine Grundfeste (Fundament) der Seligkeit=das saubere offene Gewissen (Einsicht, Erkenntnis dessen, was sich schickt; Bewußtsein, Verständigkeit u. dergl.) ohne Tadel wegen etwaiger Todsünden).---
---
FINIS
fol. 17 v: "und hye pey versten wir das eyn gaistlich mensch (17 v) soll eynfeltigclichen suchen dy ere gottes yn allen seynen wercken ynwendig und außwendig" (und nicht einen billigen Vorteil). Und zwar soll er dies so tun "also daz er da von on geert und on lon gelobt begert zu sein den Menschen zu gefallen oder gaitlichen begeren von got" (also ohne, daß er geehrt wird, ohne Lohn, ohne den Menschen zu gefallen oder daß er von Gott Lohn haben will). Von diesen drei Dingen kommen alle geistlichen Hindernisse: "seht diß sind drey ding so sunderlich (=besonders) alle gaistlich hinderniß von komen". Man soll sich nur auf die Barmherzigkeit Gottes verlassen ("der sollen wir begeren tag und nacht auff das wir all zeit dymutige verworffne (=elende) knecht gottes seyn und beleiben biß yn den tod".-Die Armen soll man nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich speisen ("es ist nit genugk das ein mensch dy armen außwendigen kon speyßen"), und zwar mit "hymlisch speyß der gnaden gottes dy ewigclichen beleibt".
fol. 18v: Man soll die Seligkeit aller wollen ("und hier an ligt all unß(er) seiligkait". Gottes Erbarmen: "der sich über all menschen erbarmet hat leiplichen und gaistlich".
Explicit: "Noch mer ein grüntfest aller unßer seiligkait und heiligkait ist eyn lautere offene gewissen on alle straffung von tod sunden" (eine Grundfeste (Fundament) der Seligkeit=das saubere offene Gewissen (Einsicht, Erkenntnis dessen, was sich schickt; Bewußtsein, Verständigkeit u. dergl.) ohne Tadel wegen etwaiger Todsünden).---
---
FINIS
Freitag, 24. August 2018
CGM 447: TRAKTATE JANS VAN LEEUWEN (TEIL 9)
fol. 15 r:...außer dem, der ihn nicht will. Dennoch gibt Gott allen, auch den Schurken: "und diß ist wol eyn wünder das got doch (durch ?) seyn selbs güt gibt dem pößen geleich als dem guten" (vielleicht um die Mistkerle in trügerische Sicherheit zu wiegen; aber am Ende werden sie auf ihren Knien kriechen und jammern, da ist nämlich (oder wird sein) Heulen und Zähneklappern (fletus et stridor dentium)).-Die "ausfließende" Milde Gottes.-Gott="ein ewiges grund loß gut seyn selbs" (ein ewiges,unermeßliches Gut seiner selbst; definitio): "sehent das mag kayn mensch mit verstentnuß versten noch auch mit seym begreifen" (das kapiert keiner so schnell!).-Wir haben alle Schulden: "wir sind also groß pfand schuldig dy wir nymer mer halb bezalen". Jesus hat die Schuld bezahlt "mit seyner mensch werdung und mit seynem on schuldigen leben". Das sollen wir auch tun "all unßer lebtag". Gegen die "Vorteilsdenker": "sehent eyn zwifeltig mensch der ettwas des seynen sucht es sey wy clain es well yn seynen wercken oder yn seynem leiden sehent der selbig mensch mag nymmmer frumm noch seilig werden" (seht was für ein zweifelhafter, mieser Typ der ist, der etwas von dem Seinen (d.h. seinen kleinen billigen Vorteil) sucht, es sei so klein, wie es wolle (etwas noch so Kleines), seht, derselbe Mensch kann niemals fromm oder selig werden). Und ganz ähnlich: "sehent als vil der mensch sucht seynen aigen
fol. 15 v: gemach on dy ere und lob gottes seht also vil suchet der mensch worlich seyn selbs ungemach und er waisß es selber nicht" (siehe, so viel einer seinen Vorteil sucht ohne die Ehre Gottes und ohne ihn zu loben, so viel sucht er in Wahrheit seinen Nachteil und weiß es nicht einmal). Man soll die Seligkeit aller wollen ("freund und feind nymant aus genomen"). In einem solchen wohne Christus.-Es sei eine Schande ("der stinckenden schand", gen. partitivus), daß Geistliche murren ("leichtlich wider got mürmürieren"). Geistliche, die sich zu sehr um äußere Dinge kümmern, sind schief gewickelt: "so vindt man wol auch gaistliche menschen dy sich zu ser und unordenlich yn wollen keren zw got yn ledikait on wurcken...und maynen darumb eyn schauendes leben zu haben" (die sich zu sehr und auf ungeordnete Weise im Wollen zu Gott kehren in Freiheit (Entledigtsein), ohne etwas zu wirken (aktiv zu tun)...und dann auch noch meinen, sie führten ein beschauendes Leben (vita contemplativa)).-Das sind die "yn dy kirchen" sitzen "unter yr kappen und seind got on urkant do ist wenig nütz an" (die in den Kirchen hocken unter ihren Kapuzen (kappen) und wenig Erkenntnis von Gott haben, daran ist kein Nutzen).-Eingießung der göttlichen Gnade (sofern wir sie innerlich wahrnehmen): "sehent dar eyn geusßet got all zeit on unterlaß (=unablässig) seyn genad wan wir der ynwendig warnemen sind". Davon kommt ein schauendes Leben: "und hyer von dißen zu her (=hierher) kumpt eyn-?-schauendes leben des wenig menschen gewar nemen" (das nur wenige führen (wahrnehmen), weil ihnen die Fähigkeit zum Schauen (zur Contemplatio) fehlt). Doch auf dem Weg dahin gibt es Hindernisse: "wann zu der hohsten heiligkeit zu komen so hinteren euch-?-mynner gute außwendige werck zu thon dann ob yr allen den tag yn der kirchen leget auf ewren (lies: euren) knyen und petet ewre drege pater noster" (lustige Stelle: denn um zur höchsten Heiligkeit zu gelangen, hindern uns -?-, weniger, gute äußere Werke zu tun, als wenn ihr den lieben langen Tag in der Kirche auf den Knien herumgerutscht wärt und eure trägen Vaterunser heruntergeleiert hättet=Zeitverschwendung). Wer glaubt, kein äußerliches gutes Werk tun zu können, "dem menschen ist noch yn der warhait nit recht" (der irrt; liegt falsch; oder hat in Wahrheit keinen Bock!) "und ich gelaub auch nit das er nymmer kain werck thü das got gefellig sey" (der wird wohl auch niemals etwas hinkriegen, was Gott in den Kram paßt (gottgefällig ist)) "wann wurcklich leben ist ser nutz und gut aber schauent leben ist noch pesßer" (denn das wirkende, aktive, somit wirkliche Leben ist seht nützlich und gut, aber das beschauliche Leben ist noch viel, viel besser!) "aber baide mit ein ander geubt das das ayne das ander nit hynter das ist das aller peste" (jedoch beide zusammen ausgeübt, so daß das eine das andere nicht behindere, das ist das Allerbeste) "und das gehört den vol-
fol. 16 v: kumen menschen zu wann wer dy paid üben soll zu eyner zeit dy menschen müsßen volkumenlich zu got gefügt seyn also das yn ynker zu got und ausker umb got geleich sey" (doch dies gehört zu einem vollkommenen Menschen, denn wer beides übt zur gleichen Zeit, solche Menschen müssen vollkommen an Gott "angefügt" sein, so daß Einkehr zu Gott und Auskehr (für sie) gleich sei (gleichermaßen sei). Unterdrückung der Sinnlichkeit: "das ist ser gut das sich der mensch bezwing und seyn fünff außwendig fihlich synn" (gut, wenn sich der Mensch und seine fünf äußeren viehischen Sinne bezwingt). Ohne Einkehr zu Gott und Auskehr zur Arbeit..."so ist es alles verloren": "on mich vermogt ir nichtz zu thon" (ohne mich vermögt (könnt) ihr nichts zu tun).-Die die Martern Christi üben, das sind gut scheinende Menschen: "und das thün wol gut und boß menschen hye ist wenig nütz an" (das tun Gute wie Böse, was liegt daran ?). Denn das vergeht, anders als innere Buße und Mitleiden: "wann das ist langest yn yn (= in ihnen) vergangen aber yr puß yn wendiges mit leiden das er het (=hatte) das mag weder -?- noch nymmer mer vergen" (das kann nicht vergehen).
---
fol. 15 v: gemach on dy ere und lob gottes seht also vil suchet der mensch worlich seyn selbs ungemach und er waisß es selber nicht" (siehe, so viel einer seinen Vorteil sucht ohne die Ehre Gottes und ohne ihn zu loben, so viel sucht er in Wahrheit seinen Nachteil und weiß es nicht einmal). Man soll die Seligkeit aller wollen ("freund und feind nymant aus genomen"). In einem solchen wohne Christus.-Es sei eine Schande ("der stinckenden schand", gen. partitivus), daß Geistliche murren ("leichtlich wider got mürmürieren"). Geistliche, die sich zu sehr um äußere Dinge kümmern, sind schief gewickelt: "so vindt man wol auch gaistliche menschen dy sich zu ser und unordenlich yn wollen keren zw got yn ledikait on wurcken...und maynen darumb eyn schauendes leben zu haben" (die sich zu sehr und auf ungeordnete Weise im Wollen zu Gott kehren in Freiheit (Entledigtsein), ohne etwas zu wirken (aktiv zu tun)...und dann auch noch meinen, sie führten ein beschauendes Leben (vita contemplativa)).-Das sind die "yn dy kirchen" sitzen "unter yr kappen und seind got on urkant do ist wenig nütz an" (die in den Kirchen hocken unter ihren Kapuzen (kappen) und wenig Erkenntnis von Gott haben, daran ist kein Nutzen).-Eingießung der göttlichen Gnade (sofern wir sie innerlich wahrnehmen): "sehent dar eyn geusßet got all zeit on unterlaß (=unablässig) seyn genad wan wir der ynwendig warnemen sind". Davon kommt ein schauendes Leben: "und hyer von dißen zu her (=hierher) kumpt eyn-?-schauendes leben des wenig menschen gewar nemen" (das nur wenige führen (wahrnehmen), weil ihnen die Fähigkeit zum Schauen (zur Contemplatio) fehlt). Doch auf dem Weg dahin gibt es Hindernisse: "wann zu der hohsten heiligkeit zu komen so hinteren euch-?-mynner gute außwendige werck zu thon dann ob yr allen den tag yn der kirchen leget auf ewren (lies: euren) knyen und petet ewre drege pater noster" (lustige Stelle: denn um zur höchsten Heiligkeit zu gelangen, hindern uns -?-, weniger, gute äußere Werke zu tun, als wenn ihr den lieben langen Tag in der Kirche auf den Knien herumgerutscht wärt und eure trägen Vaterunser heruntergeleiert hättet=Zeitverschwendung). Wer glaubt, kein äußerliches gutes Werk tun zu können, "dem menschen ist noch yn der warhait nit recht" (der irrt; liegt falsch; oder hat in Wahrheit keinen Bock!) "und ich gelaub auch nit das er nymmer kain werck thü das got gefellig sey" (der wird wohl auch niemals etwas hinkriegen, was Gott in den Kram paßt (gottgefällig ist)) "wann wurcklich leben ist ser nutz und gut aber schauent leben ist noch pesßer" (denn das wirkende, aktive, somit wirkliche Leben ist seht nützlich und gut, aber das beschauliche Leben ist noch viel, viel besser!) "aber baide mit ein ander geubt das das ayne das ander nit hynter das ist das aller peste" (jedoch beide zusammen ausgeübt, so daß das eine das andere nicht behindere, das ist das Allerbeste) "und das gehört den vol-
fol. 16 v: kumen menschen zu wann wer dy paid üben soll zu eyner zeit dy menschen müsßen volkumenlich zu got gefügt seyn also das yn ynker zu got und ausker umb got geleich sey" (doch dies gehört zu einem vollkommenen Menschen, denn wer beides übt zur gleichen Zeit, solche Menschen müssen vollkommen an Gott "angefügt" sein, so daß Einkehr zu Gott und Auskehr (für sie) gleich sei (gleichermaßen sei). Unterdrückung der Sinnlichkeit: "das ist ser gut das sich der mensch bezwing und seyn fünff außwendig fihlich synn" (gut, wenn sich der Mensch und seine fünf äußeren viehischen Sinne bezwingt). Ohne Einkehr zu Gott und Auskehr zur Arbeit..."so ist es alles verloren": "on mich vermogt ir nichtz zu thon" (ohne mich vermögt (könnt) ihr nichts zu tun).-Die die Martern Christi üben, das sind gut scheinende Menschen: "und das thün wol gut und boß menschen hye ist wenig nütz an" (das tun Gute wie Böse, was liegt daran ?). Denn das vergeht, anders als innere Buße und Mitleiden: "wann das ist langest yn yn (= in ihnen) vergangen aber yr puß yn wendiges mit leiden das er het (=hatte) das mag weder -?- noch nymmer mer vergen" (das kann nicht vergehen).
---
CGM 447: TRAKTATE DES JAN VAN LEEUWEN (TEIL 8)
fol 13 r: Solche "humilitas" ist "eyn halbe gaistliche hoffart" (eine halbe geistliche Überheblichkeit, somit nichts wert!). Ein derartiger frommer Heuchler will "das man yn noch mer heylig heisß vor den augen der menschen" (er will also den Schein der Heiligkeit erwecken; ein Scheinheiliger). Doch der Grunddemütige will "das ym alle dy welt laster (?) und schand erbüt" (daß ihn die Welt in den Schmutz zieht und ihn für schändlich hält; "erbüt"=erweise, darreiche; von "erbieten"; ich bin aber nicht ganz sicher!). Dies soll er dann tragen, "dann das er ym selber an tete" (als ob er es sich selbst antäte).-"Wann alle dy schand und laster dy ym der mensch selber an tut do ist sicher wenig nütz an" (was man sich selber antut, daran ist kein Nutzen). Das "aller pest" ist "zu nichten werden yn dy dymütigkait" (durch Demut zunichte werden), "und das mag kain mensch den andern leren dan got allain".-Ein guter Mensch hat in sich geistlichen Streit und viel Betrübnis: "sehent eyn gut mensch musß haben mangen (=manchen) streit und auch vil yn wendig betrubnüß". Grund: "diß komt all zu mal dar von das des menschen nyderster tail seyner synlichkait geren wolt herschen uber das oberst dail der sele" (das kommt insgesamt davon, daß der niederste Teil der Sinnlichkeit gern herrschen will über den obersten Teil der Seele"; das geht natürlich nicht!).-
fol. 13 v: "...und also müsß ein gut mensch offt betrubt werden wider seynen willen" (ergo muß ein guter Mensch oft betrübt sein entgegen seinem Willen). Grund: "wann fleisch und plut wollen do uber hant nemen yn dem menschen uber den gaist" (das Fleisch und das Blut wollen im Menschen überhand nehmen über den Geist) "und das ist kayn wunder das ein gut mensch unterweilen betrubt wirt" (kein Wunder, daß ein guter Mensch bisweilen betrübt wird).-Die sinnlichen Kräfte ziehen uns hinab: "nyder... zu yrdischen dingen" (=großes Hindernis für die Einkehr und Schaden an der Seele: "aller grost schad der sel"). Wer dieser Einkehr ("ynker") verlustig geht, der verliert mehr in einem "augen plick", "dann ob er da zwischen alles ertrich gewünn" (als ob er dazwischen (inzwischen) alles Erdreich gewönne; schöner Konjunktiv II!). "...und auch me (=mehr als) alles geschrift mit unterschaid (Klarheit, Gabe der Unterscheidung, Auslegung, Erörterung und dergl.) begreifen und lernen künd und auch me das ich alle menschen dy selben künst mit unterschaid künt leren..." (mehr noch, als alle Schriften erfassen und lehren könnten und auch mehr, als ich alle Menschen lehren könnte durch Auslegung (Erörterung; "unterschaid").
fol 14 r: "...und das ich mit der selben ler alle menschen zu hymel precht und das auch ayn mensch alle dy armen speißet dy auf allem ertrich sind" (und daß ich durch dieselbe Lehre alle Menschen in den Himmel bringen könnte (brächte) und daß auch ein Mensch alle Armen speisen würde (könnte), die auf dem Erdreich sind; mehr als all dies würde ein Mensch verlieren, dem die Einkehr abhanden käme). Der Sinn der Schrift: "auff das wir on alle hinternuß ein gaistlich opfer gottes sullen und weren seyn" (daß wir ohne alle Hindernisse ein geistliches Opfer sein sollen und werden).-Die Liebe Gottes, die für kurze Zeit Freiheit bringt.-
14 v: Die Natur kann man zwar bezwingen, aber nicht zunichte machen: "man mag dy natur und alle unordenlich benaigung der natur durch dy gnad gottes wol bezwingen aber nit zunichte machen". Begründung: "wann natur beleibt all zeit natur". Solange der Mensch durch die Gnade Gottes gegen die Sünden streitet und die Natur bezwingt, ist dies keine Todsünde: "wer sy halt beschlossen yn tausent maur...diß mag weder tod sünd seyn also lang (=solange) der mensch yn wendig durch dy gnad gottes streitet wider die sünd" (so far, so good).-Klage über eigene Unvollkommenheit. Je mehr einer gute Werke tut, umso mehr übt er Askese ("so er mer sich yn allen dingen vernichten soll").-
Gott versage niemand etwas...---
---
fol. 13 v: "...und also müsß ein gut mensch offt betrubt werden wider seynen willen" (ergo muß ein guter Mensch oft betrübt sein entgegen seinem Willen). Grund: "wann fleisch und plut wollen do uber hant nemen yn dem menschen uber den gaist" (das Fleisch und das Blut wollen im Menschen überhand nehmen über den Geist) "und das ist kayn wunder das ein gut mensch unterweilen betrubt wirt" (kein Wunder, daß ein guter Mensch bisweilen betrübt wird).-Die sinnlichen Kräfte ziehen uns hinab: "nyder... zu yrdischen dingen" (=großes Hindernis für die Einkehr und Schaden an der Seele: "aller grost schad der sel"). Wer dieser Einkehr ("ynker") verlustig geht, der verliert mehr in einem "augen plick", "dann ob er da zwischen alles ertrich gewünn" (als ob er dazwischen (inzwischen) alles Erdreich gewönne; schöner Konjunktiv II!). "...und auch me (=mehr als) alles geschrift mit unterschaid (Klarheit, Gabe der Unterscheidung, Auslegung, Erörterung und dergl.) begreifen und lernen künd und auch me das ich alle menschen dy selben künst mit unterschaid künt leren..." (mehr noch, als alle Schriften erfassen und lehren könnten und auch mehr, als ich alle Menschen lehren könnte durch Auslegung (Erörterung; "unterschaid").
fol 14 r: "...und das ich mit der selben ler alle menschen zu hymel precht und das auch ayn mensch alle dy armen speißet dy auf allem ertrich sind" (und daß ich durch dieselbe Lehre alle Menschen in den Himmel bringen könnte (brächte) und daß auch ein Mensch alle Armen speisen würde (könnte), die auf dem Erdreich sind; mehr als all dies würde ein Mensch verlieren, dem die Einkehr abhanden käme). Der Sinn der Schrift: "auff das wir on alle hinternuß ein gaistlich opfer gottes sullen und weren seyn" (daß wir ohne alle Hindernisse ein geistliches Opfer sein sollen und werden).-Die Liebe Gottes, die für kurze Zeit Freiheit bringt.-
14 v: Die Natur kann man zwar bezwingen, aber nicht zunichte machen: "man mag dy natur und alle unordenlich benaigung der natur durch dy gnad gottes wol bezwingen aber nit zunichte machen". Begründung: "wann natur beleibt all zeit natur". Solange der Mensch durch die Gnade Gottes gegen die Sünden streitet und die Natur bezwingt, ist dies keine Todsünde: "wer sy halt beschlossen yn tausent maur...diß mag weder tod sünd seyn also lang (=solange) der mensch yn wendig durch dy gnad gottes streitet wider die sünd" (so far, so good).-Klage über eigene Unvollkommenheit. Je mehr einer gute Werke tut, umso mehr übt er Askese ("so er mer sich yn allen dingen vernichten soll").-
Gott versage niemand etwas...---
---
Donnerstag, 23. August 2018
CGM 447: TRAKTATE JANS VAN LEEUWEN (TEIL 7)
fol. 12 r: "wilt du volkumen seyn so verkauf alles (?)"-"Do mog wir mercken wer unßern heren Jhesum Christum volkumenlich nach volgen will beyde ynwendig und außwendig der müsß alles das verkauffen das er hat...als verr (=sofern) er gemercken mag das yn ein ayniges dinck hindert " (daran können wir merken, wer Jesus nachfolgt, sowohl innerlich als auch äußerlich (vgl. engl. both...and), wenn er alles verkauft, was er hat...sofern er merkt, das ihn ein einziges Ding hindert).
So handelten die "aller ermsten menschen des gaistes wy dy sind dy unßerm herren Jhesu Christo nach geuolgt sind nach volkumenhait yrs selbs von ynnen und von außen" (die Ärmsten im Geiste wie diejenigen, die dem Herrn nachgefolgt sind gemäß ihrer inneren und äußeren Vollkommenheit). An dieser Stelle folgen 12 Punkte, die man erfüllen muß, um die "perfectio" zu erlangen:
"dar zw (lies: zu) gehören uns sünderlichen (=insbesondere) xij (=12) stuck zu" (divisio):
1) "das erst ist das er sich ledige von allen zergecklichen dingen auff das wir nymant zw haymlich sind dann got allayn" (man soll sich aller vergänglichen Dinge entledigen, so daß wir niemand vertraulicher (so nahe wie) sind als Gott).
2) "das ander er soll mer an sehen wes er entpern mög dann wes ym not sey" (er soll mehr darauf sehen, was oder wessen er entbehren kann und was ihm nötig sei).
3) "das drit er soll aynfeltigclichen got maynen yn allen seynen wercken on das seyn dar ynnen zw suchen" (er soll einfältig in allen seinen Werken Gott lieben (nach ihm trachten), ohne das Seine (seinen Vorteil) darin zu suchen).
4) "das vierd wann der mensch das seyn nit ersucht denn so mag er -?-und frey seyn vor den augen (12 v) gottes" (wenn der Mensch nicht das Seine sucht (seinen Vorteil), dann kann er -?- und frei sein vor den Augen Gottes).
fol. 12 v:
5) "das funfft wy kön er sey so soll er doch albeg gotliche vorcht haben" (wie kühn er auch sei, so soll er doch jederzeit Gottesfurcht haben).
6) "das sehst er soll sich außwendig nit so dyemütigklich (?) erweisen das er nit ynwendig hoffertig werd" (er soll sich nicht äußerlich allzu demütig zeigen, so daß er nicht davon innerlich hochmütig werde).
7) "das sibend er soll sich selber versmehen" (er soll sich selber verschmähen (verachten).
8) "das acht wan er das geleiden kan und geleich dar ynnen stet das yn ein ander versmecht und verdruck so stet er wol" (wenn er es ertagen kann und sich in der Lage befindet, daß ihn ein anderer verachtet und schlecht behandelt, dann befindet er sich wohl (ist er auf dem rechten Weg)).
9) " das neynd ist wirt dar von bewegt ynwendig so soll er doch außwendig nymant zy erkennen geben noch nit verantwurten" (wird er davon innerlich bewegt, so soll er nach außen hin das niemand merken lassen, noch soll er widersprechen).
10) "das x (=10) ist das er also bereit sey zu beweisen gleich seynem veind als seynem freund wann diß ist ein spiegel von allen tugenten" (er soll Gleiches seinem Feind wie auch seinem Freund erweisen, denn dies ist ein Spiegel der Tugend);-
11) "das xj (11) wer ym ycht misß dann hat das soll er nymer mer zw erkennen geben noch yn worten noch yn wercken noch yn kainen zaichen" (wer ihm etwas Schlechtes getan hat (?), das soll er niemals mehr sich anmerken lassen weder in Worten noch in Werken noch durch Zeichen (Gesten)).
Doch es gibt auch solche: "sehent man vindt wol menschen dy sich selber wol mit außwendigen worten verdrucken und versmehen und sagen das sy arme sünder sindt aber es solt yn ser wee don wer es das es yn eyn ander mensch saget" (also: siehe, man findet wohl Menschen, die sich selbst wohl mit äußeren Worten herabsetzen und verschmähen und sagen, daß sie Arme Sünder sind, aber es würde ihnen weh tun, wenn es so wäre, daß es ihnen ein anderer sagt).-
---
So handelten die "aller ermsten menschen des gaistes wy dy sind dy unßerm herren Jhesu Christo nach geuolgt sind nach volkumenhait yrs selbs von ynnen und von außen" (die Ärmsten im Geiste wie diejenigen, die dem Herrn nachgefolgt sind gemäß ihrer inneren und äußeren Vollkommenheit). An dieser Stelle folgen 12 Punkte, die man erfüllen muß, um die "perfectio" zu erlangen:
"dar zw (lies: zu) gehören uns sünderlichen (=insbesondere) xij (=12) stuck zu" (divisio):
1) "das erst ist das er sich ledige von allen zergecklichen dingen auff das wir nymant zw haymlich sind dann got allayn" (man soll sich aller vergänglichen Dinge entledigen, so daß wir niemand vertraulicher (so nahe wie) sind als Gott).
2) "das ander er soll mer an sehen wes er entpern mög dann wes ym not sey" (er soll mehr darauf sehen, was oder wessen er entbehren kann und was ihm nötig sei).
3) "das drit er soll aynfeltigclichen got maynen yn allen seynen wercken on das seyn dar ynnen zw suchen" (er soll einfältig in allen seinen Werken Gott lieben (nach ihm trachten), ohne das Seine (seinen Vorteil) darin zu suchen).
4) "das vierd wann der mensch das seyn nit ersucht denn so mag er -?-und frey seyn vor den augen (12 v) gottes" (wenn der Mensch nicht das Seine sucht (seinen Vorteil), dann kann er -?- und frei sein vor den Augen Gottes).
fol. 12 v:
5) "das funfft wy kön er sey so soll er doch albeg gotliche vorcht haben" (wie kühn er auch sei, so soll er doch jederzeit Gottesfurcht haben).
6) "das sehst er soll sich außwendig nit so dyemütigklich (?) erweisen das er nit ynwendig hoffertig werd" (er soll sich nicht äußerlich allzu demütig zeigen, so daß er nicht davon innerlich hochmütig werde).
7) "das sibend er soll sich selber versmehen" (er soll sich selber verschmähen (verachten).
8) "das acht wan er das geleiden kan und geleich dar ynnen stet das yn ein ander versmecht und verdruck so stet er wol" (wenn er es ertagen kann und sich in der Lage befindet, daß ihn ein anderer verachtet und schlecht behandelt, dann befindet er sich wohl (ist er auf dem rechten Weg)).
9) " das neynd ist wirt dar von bewegt ynwendig so soll er doch außwendig nymant zy erkennen geben noch nit verantwurten" (wird er davon innerlich bewegt, so soll er nach außen hin das niemand merken lassen, noch soll er widersprechen).
10) "das x (=10) ist das er also bereit sey zu beweisen gleich seynem veind als seynem freund wann diß ist ein spiegel von allen tugenten" (er soll Gleiches seinem Feind wie auch seinem Freund erweisen, denn dies ist ein Spiegel der Tugend);-
11) "das xj (11) wer ym ycht misß dann hat das soll er nymer mer zw erkennen geben noch yn worten noch yn wercken noch yn kainen zaichen" (wer ihm etwas Schlechtes getan hat (?), das soll er niemals mehr sich anmerken lassen weder in Worten noch in Werken noch durch Zeichen (Gesten)).
Doch es gibt auch solche: "sehent man vindt wol menschen dy sich selber wol mit außwendigen worten verdrucken und versmehen und sagen das sy arme sünder sindt aber es solt yn ser wee don wer es das es yn eyn ander mensch saget" (also: siehe, man findet wohl Menschen, die sich selbst wohl mit äußeren Worten herabsetzen und verschmähen und sagen, daß sie Arme Sünder sind, aber es würde ihnen weh tun, wenn es so wäre, daß es ihnen ein anderer sagt).-
---
CGM 447: TRAKTATE JANS VAN LEEUWEN (TEIL 6)
fol. 11 r: Wer von einer geistlichen Krankheit gesundet ist, auf den muß man besonders aufpassen: "wann es ist sicher grosse not so eyn mensch von eyner grosßen gaistlichen kranckhait das ist von allen seynen sunden gesundt ist worden das man des menschen nun ser war nem von aller hant ungesunter speiß" (...daß man also seiner wahrnehme und ihn von allerhand ungesunder "Speise" bewahrt). Zitat: BIBEL: "als der weiß man spricht" (Sapientia ?). Es folgen nun die sieben Punkte (sozusagen die Kur gegen alle Falschheit): "diß ist dy aller pest ertznei (Arznei) wider (=gegen) all gaistlich kranckhait dy zu uberwinden":
1) "das erst zaichen eyner newen hüt (=Behütung, Bewachung, Fürsorge) do sunderlich (=besonders) eyn gaistlich mensch mit anvahen solt das ist das er seyn hertz abzyehen soll von aller heymlichen wandelung und soll all menschen auff ziehen und sy wissen zu got" (die erste Fürsorge, womit besonders ein Geistlicher anfangen soll, ist, daß er sein Herz abwende ("abziehe") von allem heimlichen Lebenswandel (auch: Lebensart, Handeln, Umgang); er soll alle Menschen zu Gott erheben ("hinaufziehen") und weisen).
2) "das ander das sich eyn gaistlich mensch von allen zeitlichen dingen also entplosßen soll das ym all zeit lieber sey mit geben dann mit nemen" (Punkt zwei ist: daß sich ein geistlicher Mensch von allen vergänglichen Dingen entblößen soll (befreien soll; frei machen soll) und daß es ihm zu jeder Zeit lieber ist zu geben als zu nehmen).
3) "das drit das sich ein gaistlich mensch nit betrub noch erfrewen (lies: erfreuen) soll von zeitlichen gewynne oder verlust" (man soll sich weder wegen Gewinn vergänglicher Dinge erfreuen noch wegen deren Verlust betrüben; da diese nichts zum Seelenheil beitragen).
4) "das vierd eyn gaistlich mensch soll sich nicht unterwinden außwendig ding der er ledig mag seyn" ( er soll nicht äußere Dinge auf sich nehmen; wofür er dann zu sorgen hat; dieser Dinge sei er ledig!).
5) "das funfft ayn gaistlich mensch soll seyn werck thün (lies: tun; tuen ?) freywilligclichen got zu eren on yn wendige geschwerung" (er soll seine Werke tun zur Ehre Gottes, und zwar freiwillig, ohne daß er es als Beschwerung (Last) ansieht).
6) "das sehst ayn gaistlich mensch soll des seynen an kaynen dingen suchen weder an got noch an kayner creatur" (ich verstehe den Satz so: ein spiritueller Mensch soll nach dem Seinen (=seinen Vorteil) bei keinen Dingen, also nirgends, suchen, weder bei Gott noch bei einer Kreatur, also nichts und niemand instrumentalisieren!)
7) "das sibend ist wenn der mensch so zu grund gelassen ist und so dymütig und auch so bloß unter got alßo das er nichtz will und kan erwelen" (wenn er von Grund auf gottergeben ist, demütig und entblößt (nackt), daß er nichts mehr will und wollen ("erwählen") kann (möchte).
That's it: "das sind dy selben menschen dy all zeit an der sel gewynnen und nicht verließen" (das sind die, die immer an der Seele gewinnen und nicht verloren gehen (nichts verlieren, nicht verderben).
Grund: "wan ich sag euch fur wahr das uns kaynes dings mer nottdurftig wer zu der sel hail dann das sich eyn yetzlicher mensch der da lebt auff ertrich mit armüt und mit elenden leiden wol behelffen mocht" (denn ich sage euch, wahrlich, das keine Sache nötiger wäre zum Seelenheil, als daß sich ein jetzt lebender Mensch (?), der auf dem Erdreich lebt, mit Armut und elenden Leiden wohl helfen möchte"; Armut und Elend als eine Art Selbsthilfe, um sich von vergänglichen Dingen zu bewahren). Denn es gibt niemand, der nicht etwas zu leiden hat: "wan es ist nymant (=niemand) auff ertrich so wol auff dem weg ym kam zu weil (=zuweilen, manchmal) etwas zu das er leiden müsß es sey ym lieb oder laid" (denn es gibt niemand auf dem Erdreich, dem es auf dem Weg so wohl ergeht (oder: sowohl auf seinem Weg), ohne daß ihm zuweilen (manchmal) "zukam" (zustieß; auf ihn zu kam), daß er etwas zu leiden habe, sollte es nun ihm lieb oder leid sein).
Schlußfolgerung: "sehent also vil der mensch mer umb gottes willen leidet das seyner natur wider ist also vil ist eyn mensch ermer von gaist denn eyn ander und das ist ym denn verdynlicher dann eynem andern" (seht, je mehr nämlich einer um Gottes willen leidet, was seiner Natur entgegen ist, desto ärmer ist er im Geist (=einfältiger, was ja eine Tugend ist!) als ein anderer, und das ist dann auch noch verdienstlicher, als dies bei anderen der Fall ist!).
Wann ist der Mensch vollkommen: "wiltu wisßen wer eyn volkum(men)er (?) mensch sy oder waß eynem volkummen menschen zu gehört" (zu einem solchen gehört).---Antwort folgt.---
----
1) "das erst zaichen eyner newen hüt (=Behütung, Bewachung, Fürsorge) do sunderlich (=besonders) eyn gaistlich mensch mit anvahen solt das ist das er seyn hertz abzyehen soll von aller heymlichen wandelung und soll all menschen auff ziehen und sy wissen zu got" (die erste Fürsorge, womit besonders ein Geistlicher anfangen soll, ist, daß er sein Herz abwende ("abziehe") von allem heimlichen Lebenswandel (auch: Lebensart, Handeln, Umgang); er soll alle Menschen zu Gott erheben ("hinaufziehen") und weisen).
2) "das ander das sich eyn gaistlich mensch von allen zeitlichen dingen also entplosßen soll das ym all zeit lieber sey mit geben dann mit nemen" (Punkt zwei ist: daß sich ein geistlicher Mensch von allen vergänglichen Dingen entblößen soll (befreien soll; frei machen soll) und daß es ihm zu jeder Zeit lieber ist zu geben als zu nehmen).
3) "das drit das sich ein gaistlich mensch nit betrub noch erfrewen (lies: erfreuen) soll von zeitlichen gewynne oder verlust" (man soll sich weder wegen Gewinn vergänglicher Dinge erfreuen noch wegen deren Verlust betrüben; da diese nichts zum Seelenheil beitragen).
4) "das vierd eyn gaistlich mensch soll sich nicht unterwinden außwendig ding der er ledig mag seyn" ( er soll nicht äußere Dinge auf sich nehmen; wofür er dann zu sorgen hat; dieser Dinge sei er ledig!).
5) "das funfft ayn gaistlich mensch soll seyn werck thün (lies: tun; tuen ?) freywilligclichen got zu eren on yn wendige geschwerung" (er soll seine Werke tun zur Ehre Gottes, und zwar freiwillig, ohne daß er es als Beschwerung (Last) ansieht).
6) "das sehst ayn gaistlich mensch soll des seynen an kaynen dingen suchen weder an got noch an kayner creatur" (ich verstehe den Satz so: ein spiritueller Mensch soll nach dem Seinen (=seinen Vorteil) bei keinen Dingen, also nirgends, suchen, weder bei Gott noch bei einer Kreatur, also nichts und niemand instrumentalisieren!)
7) "das sibend ist wenn der mensch so zu grund gelassen ist und so dymütig und auch so bloß unter got alßo das er nichtz will und kan erwelen" (wenn er von Grund auf gottergeben ist, demütig und entblößt (nackt), daß er nichts mehr will und wollen ("erwählen") kann (möchte).
That's it: "das sind dy selben menschen dy all zeit an der sel gewynnen und nicht verließen" (das sind die, die immer an der Seele gewinnen und nicht verloren gehen (nichts verlieren, nicht verderben).
Grund: "wan ich sag euch fur wahr das uns kaynes dings mer nottdurftig wer zu der sel hail dann das sich eyn yetzlicher mensch der da lebt auff ertrich mit armüt und mit elenden leiden wol behelffen mocht" (denn ich sage euch, wahrlich, das keine Sache nötiger wäre zum Seelenheil, als daß sich ein jetzt lebender Mensch (?), der auf dem Erdreich lebt, mit Armut und elenden Leiden wohl helfen möchte"; Armut und Elend als eine Art Selbsthilfe, um sich von vergänglichen Dingen zu bewahren). Denn es gibt niemand, der nicht etwas zu leiden hat: "wan es ist nymant (=niemand) auff ertrich so wol auff dem weg ym kam zu weil (=zuweilen, manchmal) etwas zu das er leiden müsß es sey ym lieb oder laid" (denn es gibt niemand auf dem Erdreich, dem es auf dem Weg so wohl ergeht (oder: sowohl auf seinem Weg), ohne daß ihm zuweilen (manchmal) "zukam" (zustieß; auf ihn zu kam), daß er etwas zu leiden habe, sollte es nun ihm lieb oder leid sein).
Schlußfolgerung: "sehent also vil der mensch mer umb gottes willen leidet das seyner natur wider ist also vil ist eyn mensch ermer von gaist denn eyn ander und das ist ym denn verdynlicher dann eynem andern" (seht, je mehr nämlich einer um Gottes willen leidet, was seiner Natur entgegen ist, desto ärmer ist er im Geist (=einfältiger, was ja eine Tugend ist!) als ein anderer, und das ist dann auch noch verdienstlicher, als dies bei anderen der Fall ist!).
Wann ist der Mensch vollkommen: "wiltu wisßen wer eyn volkum(men)er (?) mensch sy oder waß eynem volkummen menschen zu gehört" (zu einem solchen gehört).---Antwort folgt.---
----
CGM 447: TRAKTATE JANS VAN LEEUWEN (TEIL 5)
fol. 10 r: Zunächst geht es um den Unterschied ("unterschaid") "zwischen naturlich und uber naturlich eynsprechen gottes" (wahrscheinlich ist dies ein mystischer Begriff, der so etwas wie "Eingebung" bedeutet). Als nächstes um Entlohnung: "und diße menschen der ser vil auff ertrich ist dy all zw mal (=zusammen; ganz und gar) nach aygen widerlon stellen (vgl. nachstellen) dy sind geleich eynem on getrewen (w=u) dyenst knecht" (also es gibt sehr viele auf dem Erdreich die allesamt nach eigener Entlohnung streben; diese gleichen einem untreuen (miesen kleinen) Dienstknecht!- Warnung an alle elenden Dienstknechte!). Die ihren Lohn schon im voraus haben wollen (noch schlimmer!), "diß sind alle zu mal (=insgesamt) ungetrew eygen heurling dy alßo allzeit auff wider lon sehen wan sy suchen das yr yn allen dingen verporgenlich ynwendig und außwendig" (die sind allesamt untreue (korrupte) leibeigene Mietknechte (hur=Miete; vgl. die Heuer), die immer nur alle Zeit auf Lohn (Entgelt) sehen, denn sie suchen das Ihre in allen Dingen in verborgener Weise innerlich und äußerlich). Folge daraus: "und dar umb beleibt yn got fremd und verporgen mit seynen gnaden" (Gott bleibt ihnen verborgen). Der Gedanke wird noch einmal variiert: "wann (?) alle dy sich selbs suchen und maynen yn allen dingen und dyenen got umb wider lon sehent diße zwifaltigen unrayn menschen beleiben all zeit vinster und unerleucht" (diejenigen, die sich immer nur selbst suchen und bei allem nur selbst meinen (=denen es nur um sich geht (!), die in ihrer Verblendung meinen, alles drehe sich nur um sie, was natürlich mitnichten der Fall ist) und Gott nur gegen Entgelt dienen, diese zweifelhaften (zwielichtigen) Typen bleiben immer finster und unerleuchtet!).
fol. 10 v: Repetitio: "sehent was menschen sich selbs maynen und yr über naturlich gemach suchen on got" (seht, was es Menschen gibt, denen es nur um sich geht und die ihren übernatürlichen (jenseitigen (?); oder: unnatürlichen) Vorteil suchen ohne Gott". Die sind "no good": "das seyn all yn wendig gaistlich unkeusch menschen und diße menschen dyenen yn selber auß eygener knechtlicher (ich lese hier) vorcht (?) und auch auß verkerter unordenlich lieb dy sy zu yn (=ihnen) selber haben" (die sind also unrein und dienen aus knechthafter Furcht und aus verkehrter Liebe, die sie zu sich selber haben).-"Sehent ich sag euch fur war das keynerlay lewdt (lies: Leut') auff allen ertrich swerlicher yrren vor den augen gottes dann gaistliche ynwendige unkeusche menschen dy lust haben auf ynwendigen naturlichen valschen verporgen smacken und die auf ynwendig sussigkait rwen (lies: ruhen) on wurcken und on ynwendige aufgeung von lieb zw (lies: zu) got" (seht, ich sage euch, fürwahr, daß keinerlei Leute auf dem ganzen Erdreich schwerer irren (in die Irre gehen) als geistliche, innerlich unreine Menschen, die Lust auf innerliche, natürliche, falsche, heimliche Genüsse haben und es sich sozusagen innerlich bequem machen, ohne daß sie (Gutes) wirken wollen und ohne daß sie innen in Liebe zu Gott (wie ein Hefeteig) aufgehen; also wachsen). Der Gedanke wird fortgeführt: "wann (=denn) alle dy menschen dye rwen auff ynwendigen smack und yn selber wol geuallen (sic!) von ynnen und yrem versten diße gaistlichen unkeusche menschen dyenen auch vil mer der gaistlichen hoffart dann der leiplichen" (alle die es sich innerlich behaglich (bequem) gemacht haben und sich innerlich selbst gefallen und sich auf ihre Vernunft etwas einbilden, diese Unreinen dienen mehr der geistigen (intellektuellen) Arroganz (Hoffart, Stolz, Überheblichkeit) als der körperlichen (äußeren). Grund: "wann sye achten sich selbs und yr gaistliche werck und yr behendes versten groß über andere menschen das sy dünckt das andre gut willige menschen nichtz nit konnen noch wissen als sy" (die achten nur sich selbst hoch und ihre geistlichen (geistigen) Werke und ihre schnelles (behendes) Verständnis (Auffassungsgabe, Vernunft) über andere Menschen (d.h. sie erheben sich über sie), daß es sie dünkt (daß sie denken), daß andere gutwillige Menschen gar nichts können oder wissen außer sie selbst; hier sollten sich alle eitlen (Pseudo-)Künstler und Intellektuelle angesprochen fühlen und die, die sich für genial halten!). Alle wollen nur Lohn: "sehent der gaistlichen menschen vindet man so vil dy got dyenen umb wider lon aber wenig menschen vind ich dy sich selber konnen lassen yn alle elendigkait und armüt umb gottes willen und umb yr sel seyligkait" (also: nur wenige können von der Selbstsucht lassen und in Elend und Armut leben). Es folgt nun eine Aufzählung von sieben Punkten; "ayner guten gewissen und eynem abgeschaiden menschen gehören sünderlich (en ?) zu siben ynwendig weiß" (einem guten Gewissen und einem abgeschiedenen (zurückgezogenen) Menschen gehören besonders sieben innerliche Weisen (Merkmale) an":...
fol. 10 v: Repetitio: "sehent was menschen sich selbs maynen und yr über naturlich gemach suchen on got" (seht, was es Menschen gibt, denen es nur um sich geht und die ihren übernatürlichen (jenseitigen (?); oder: unnatürlichen) Vorteil suchen ohne Gott". Die sind "no good": "das seyn all yn wendig gaistlich unkeusch menschen und diße menschen dyenen yn selber auß eygener knechtlicher (ich lese hier) vorcht (?) und auch auß verkerter unordenlich lieb dy sy zu yn (=ihnen) selber haben" (die sind also unrein und dienen aus knechthafter Furcht und aus verkehrter Liebe, die sie zu sich selber haben).-"Sehent ich sag euch fur war das keynerlay lewdt (lies: Leut') auff allen ertrich swerlicher yrren vor den augen gottes dann gaistliche ynwendige unkeusche menschen dy lust haben auf ynwendigen naturlichen valschen verporgen smacken und die auf ynwendig sussigkait rwen (lies: ruhen) on wurcken und on ynwendige aufgeung von lieb zw (lies: zu) got" (seht, ich sage euch, fürwahr, daß keinerlei Leute auf dem ganzen Erdreich schwerer irren (in die Irre gehen) als geistliche, innerlich unreine Menschen, die Lust auf innerliche, natürliche, falsche, heimliche Genüsse haben und es sich sozusagen innerlich bequem machen, ohne daß sie (Gutes) wirken wollen und ohne daß sie innen in Liebe zu Gott (wie ein Hefeteig) aufgehen; also wachsen). Der Gedanke wird fortgeführt: "wann (=denn) alle dy menschen dye rwen auff ynwendigen smack und yn selber wol geuallen (sic!) von ynnen und yrem versten diße gaistlichen unkeusche menschen dyenen auch vil mer der gaistlichen hoffart dann der leiplichen" (alle die es sich innerlich behaglich (bequem) gemacht haben und sich innerlich selbst gefallen und sich auf ihre Vernunft etwas einbilden, diese Unreinen dienen mehr der geistigen (intellektuellen) Arroganz (Hoffart, Stolz, Überheblichkeit) als der körperlichen (äußeren). Grund: "wann sye achten sich selbs und yr gaistliche werck und yr behendes versten groß über andere menschen das sy dünckt das andre gut willige menschen nichtz nit konnen noch wissen als sy" (die achten nur sich selbst hoch und ihre geistlichen (geistigen) Werke und ihre schnelles (behendes) Verständnis (Auffassungsgabe, Vernunft) über andere Menschen (d.h. sie erheben sich über sie), daß es sie dünkt (daß sie denken), daß andere gutwillige Menschen gar nichts können oder wissen außer sie selbst; hier sollten sich alle eitlen (Pseudo-)Künstler und Intellektuelle angesprochen fühlen und die, die sich für genial halten!). Alle wollen nur Lohn: "sehent der gaistlichen menschen vindet man so vil dy got dyenen umb wider lon aber wenig menschen vind ich dy sich selber konnen lassen yn alle elendigkait und armüt umb gottes willen und umb yr sel seyligkait" (also: nur wenige können von der Selbstsucht lassen und in Elend und Armut leben). Es folgt nun eine Aufzählung von sieben Punkten; "ayner guten gewissen und eynem abgeschaiden menschen gehören sünderlich (en ?) zu siben ynwendig weiß" (einem guten Gewissen und einem abgeschiedenen (zurückgezogenen) Menschen gehören besonders sieben innerliche Weisen (Merkmale) an":...
Dienstag, 21. August 2018
NACHTRAG ZU JAN VAN LEEUWEN
JAN VAN LEEUWEN war ein, wie er selbst von sich behauptet, ungebildeter Laienbruder, der 1344 in die Einsiedelei zu GROENENDAAL (Holland) eingetreten ist. Daß er ungebildet war, ist ein Bescheidenheitstopos. In Wirklichkeit verfügte er über einige, wenn nicht sogar über viel Bildung, die er vermutlich von seinem Beichtvater, einem gewissen RUUSBROEC erwarb. Er starb 1378.
HENRICUS POMERUS, Origines, lib. 3, schrieb eine Vita. Jan van Leeuwen (=von Löwen; wegen seiner löwenhaften Gestalt) war der "number one" Koch seines Klosters, genannt "der gute Koch" (de goede kok: oe lies u); er soll übrigens ein hervorragender Koch gewesen sein-trotz aller Askese!-Es gibt von ihm 23 Schriften in Latein, vieles handschriftlich.
PETER VAN ZUTPHEN kam damals von Holland nach REBDORF bei EICHSTÄTT. Er schrieb wie ein Holländer, der sich ein westliches Mitteldeutsch angewöhnt hatte. 1458/9 schloß er die Übersetzungen des Jan van Leeuwen ab.
---
HENRICUS POMERUS, Origines, lib. 3, schrieb eine Vita. Jan van Leeuwen (=von Löwen; wegen seiner löwenhaften Gestalt) war der "number one" Koch seines Klosters, genannt "der gute Koch" (de goede kok: oe lies u); er soll übrigens ein hervorragender Koch gewesen sein-trotz aller Askese!-Es gibt von ihm 23 Schriften in Latein, vieles handschriftlich.
PETER VAN ZUTPHEN kam damals von Holland nach REBDORF bei EICHSTÄTT. Er schrieb wie ein Holländer, der sich ein westliches Mitteldeutsch angewöhnt hatte. 1458/9 schloß er die Übersetzungen des Jan van Leeuwen ab.
---
CGM 447: TRAKTATE JAN VAN LEEUWENS (TEIL 4)
fol 8 r: Um diese "claritas" zu verdienen, müssen wir sittlich leben, aber auch "leiden all vinsternuß" (Finsternis=Sünde). Zweitens: Dies betriftt eher die abgeschiedenen Menschen, als die anhebenden (=Anfänger in der via spiritualis) ("das gehört mer abgeschaiden ynnigen (=innerlichen) gaistlichen menschen zu denn den anhebenden und hyer pey soll unßer ynwendige verstentnüß erleucht werden volgen wir der genad gottes nach" (also: Erleuchtung der Vernunft durch Nachfolge Christi!). Drittens "ist got lieb haben von gantzem hertzen", "das gehört got schauenden menschen zw (lies: zu) dy über sich selber kümen und anders nicht wissen dann got und mit got zw weßen" (die über sich hinausgewachsen sind, sich also überwunden haben, nichts anderes kennen als Gott und mit ihm zu sein).Mit den drei Geboten sollen wir die Sünden tilgen: "und hye mit den dreyen gepoten gottes sullen wir alle vinsternuß der sünd ab dilgen". Der Heilige Geist lehrt innerliche, sanftmütige und -?- Gutheit: "sehent ir sullent wissen das got willige menschen kayn dingk als ser hyndert das sye got noch seyner gnad (8v) nicht entpfinden" (also die geistlichen Menschen hindert nichts daran, weder Gott noch seine Gnade zu empfinden).-
fol 8 v: Warnung vor Eigenliebe!-Man soll Introspektion betreiben: "und hyer bey sull wir albeg (=immer; "alle Wege") unß selbes war nemen und uns auf geben yn gedultig gelassenhait alles das zu leiden das got über uns verhengen will piß zu dem tod und sullen got kaynes dinges versagen was er von uns begert biß yn den tod" (also sich selbst wahrnehmen, sich aufgeben in Gottergebenheit, alles leiden, was Gott verhängt und will).-Ziel: die summa beatitudo: "Sehent wollen wir kümen zu den hohsten freuden gotes"; dazu müsse man auf sich nehmen, "was bedrubnüß auf uns kumen mag es sey hünger durst kelt kranckhait sterben oder leben" (alles auf sich nehmen, was an Betrübnis auf uns zukommt). Kein Vorteilsdenken haben: "wir sullen nichtz erkyeßen (=wünschen) weder umb gewyn noch umb verlust". Eigenes Leid gering achten: "wir sullen nit größ achten was wir leiden sünder wir sullen es tragen on clagen wann wer sein leiden großachtet ynwendig oder außwendig der selb mensch mag nymer (=niemals) freywilligclichen
fol.9 r: leiden der es lieber nit inhet (=innehätte) dann das er es hat" (er hätte es also lieber nicht, als er es hätte; nämlich das Leiden), auch wenn einem Unrecht geschieht ("und ist dem menschen noch (dennoch; auch wenn) unrecht"), denn ein solcher "lebt noch ym on erstorben" (ist sich selbst noch nicht "erstorben", wenn er klagt, daß ihm Unrecht geschehen sei). Schließlich: "wann freywilles leiden und arm zu seyn von gaist hat kayn ekyesung" (also beim freiwilligen Leiden und der geitslichen Armut gibt es kein Wählen oder Wünschen).-Die Liebe zu Gott bringt den größten Verdienst: "wöllent yr wissen was den lon aller maist yn euch thut meren (=vermehren) oder wachsen und verdienlichen machen das ist das unßer lieb und unßer begird (=Wollen) stark zu got sey das wir all sünd gern hyn weck (=hinweg) solten wellen (=wollen) durch hymlische verlangung von liebe" (daß wir auch alle Sünden weg haben wollen "on demand" von oben, "so to speak"). Das Größte ist, über sich selbst hinaus-und zu Gott zu gelangen: "sehent das aller nüczst und volkumenst do wir komen mogen das ist das eyn mensch also über sich selber yn got kumen sey". Das er von nichts mehr berührt werde: "das er nichtz nit berurd müg werden weder von lieb noch von laid noch von kayner creatur". Größte Demut: "das eyn mensch seynen veynten gutig seyn soll und diß dingkt mich (=dünkt mich, scheint mir) das diß wol das aller peste werck sey das eyn mensch wurcken (=wirken, tun) mag das er got seynen gaist frolichen (=happy) on peyn (=Pein) und on arbait kan opfern und über geben yn aynigkait (=Einigkeit, scil: mit Gott)" (Feinde lieben, seinen Geist fröhlich in Gottes Hand legen, ohne Leid und Mühe etc.). Und endlich: "seht diß dünckt mich wol das aller sicherst werck das sich der mensch zw (lies: zu) gründ (=von Grund auf) vernichten und smehen (=verschmähen=verachten)
fol. 9 v: kan" (daß man also sich abtöten und selbst verschmähen kann). Wenn einen ein anderer verachtet, soll man das ertragen: "wen das yn eyn ander verdruckt (=unterdrückt) und versmeht das er das gedultigclichen künn verdragen". Den irdischen Plunder zu verachten, ist "not enough": "es ist nit genug das eyn gaystlich menschh von orden alle zergenckliche (=vergänglichen) ding von ausßen verlasß (=hinter sich läßt) sünder (=sondern) er müß auch alle creaturliche lieb (Liebe zum Geschaffenen) mit dem ynwendigen hertzen lassen". Wo gibt es solche Leute?-"Nu sehent wo soll man solche frey ynwendige menschen vinden dy auf allen seyten frey sind ynwendig und außwendig von aller hynderlichkait (=Hindernissen, die sie von der vita spiritualis abhalten)".-
"Nu merckt und verstet den syn wol wann man vindet vil gaistlich menschen dye sich ledigen (=frei machen) von eyner hant (Handvoll) unfletikait (=Unflätigkeit; Schmutz) oder von zwayen oder dreyen aber wenig vindet man der dy sich ledigen (ledig=frei machen) künnen von allen weisen (=Arten) der hynderlichkait" (also: man findet viele, die sich von einer, zwei oder drei Arten von Unflat (Schmutz) freigemacht haben, jedoch wenige, die sich von allen Arten der Unreinheit freimachen können).-Und der Schreiber setzt hinzu, daß dies eigentlich unnatürlich sei (der Mensch ist halt schmutzig!): "sehent dyß ist ser swer den menschen zu versten und auch wider dy natur alle unfletigkait zu lassen", denn die Natur "dy mag noch kan nit (=kann auch nict) gedragen (=ertragen) das sy nyndert (nirgends; nicht) auff rage" (also die Natur mag es nicht, sich nicht zu entfalten, "aufzuragen", emporzustreben). Und jetzt wird es sehr theologisch: "und hyer an mag eyn mensch dy underschaid lernen erkennen ob yn naturliche genad allayn beweg zu got umb sich selber oder uber naturliche genad zu yr selber" (und hieran kann man den Unterschied erkennen lernen, ob ihn natürliche Gnade allein bewege zu Gott um seiner selber willen oder übernatürliche Gnade zu ihr selbst"; dunkel ward der Rede Sinn!-Anscheinend ist letztere eine Stufe höher und gibt mehr Punkte!).---
---
fol 8 v: Warnung vor Eigenliebe!-Man soll Introspektion betreiben: "und hyer bey sull wir albeg (=immer; "alle Wege") unß selbes war nemen und uns auf geben yn gedultig gelassenhait alles das zu leiden das got über uns verhengen will piß zu dem tod und sullen got kaynes dinges versagen was er von uns begert biß yn den tod" (also sich selbst wahrnehmen, sich aufgeben in Gottergebenheit, alles leiden, was Gott verhängt und will).-Ziel: die summa beatitudo: "Sehent wollen wir kümen zu den hohsten freuden gotes"; dazu müsse man auf sich nehmen, "was bedrubnüß auf uns kumen mag es sey hünger durst kelt kranckhait sterben oder leben" (alles auf sich nehmen, was an Betrübnis auf uns zukommt). Kein Vorteilsdenken haben: "wir sullen nichtz erkyeßen (=wünschen) weder umb gewyn noch umb verlust". Eigenes Leid gering achten: "wir sullen nit größ achten was wir leiden sünder wir sullen es tragen on clagen wann wer sein leiden großachtet ynwendig oder außwendig der selb mensch mag nymer (=niemals) freywilligclichen
fol.9 r: leiden der es lieber nit inhet (=innehätte) dann das er es hat" (er hätte es also lieber nicht, als er es hätte; nämlich das Leiden), auch wenn einem Unrecht geschieht ("und ist dem menschen noch (dennoch; auch wenn) unrecht"), denn ein solcher "lebt noch ym on erstorben" (ist sich selbst noch nicht "erstorben", wenn er klagt, daß ihm Unrecht geschehen sei). Schließlich: "wann freywilles leiden und arm zu seyn von gaist hat kayn ekyesung" (also beim freiwilligen Leiden und der geitslichen Armut gibt es kein Wählen oder Wünschen).-Die Liebe zu Gott bringt den größten Verdienst: "wöllent yr wissen was den lon aller maist yn euch thut meren (=vermehren) oder wachsen und verdienlichen machen das ist das unßer lieb und unßer begird (=Wollen) stark zu got sey das wir all sünd gern hyn weck (=hinweg) solten wellen (=wollen) durch hymlische verlangung von liebe" (daß wir auch alle Sünden weg haben wollen "on demand" von oben, "so to speak"). Das Größte ist, über sich selbst hinaus-und zu Gott zu gelangen: "sehent das aller nüczst und volkumenst do wir komen mogen das ist das eyn mensch also über sich selber yn got kumen sey". Das er von nichts mehr berührt werde: "das er nichtz nit berurd müg werden weder von lieb noch von laid noch von kayner creatur". Größte Demut: "das eyn mensch seynen veynten gutig seyn soll und diß dingkt mich (=dünkt mich, scheint mir) das diß wol das aller peste werck sey das eyn mensch wurcken (=wirken, tun) mag das er got seynen gaist frolichen (=happy) on peyn (=Pein) und on arbait kan opfern und über geben yn aynigkait (=Einigkeit, scil: mit Gott)" (Feinde lieben, seinen Geist fröhlich in Gottes Hand legen, ohne Leid und Mühe etc.). Und endlich: "seht diß dünckt mich wol das aller sicherst werck das sich der mensch zw (lies: zu) gründ (=von Grund auf) vernichten und smehen (=verschmähen=verachten)
fol. 9 v: kan" (daß man also sich abtöten und selbst verschmähen kann). Wenn einen ein anderer verachtet, soll man das ertragen: "wen das yn eyn ander verdruckt (=unterdrückt) und versmeht das er das gedultigclichen künn verdragen". Den irdischen Plunder zu verachten, ist "not enough": "es ist nit genug das eyn gaystlich menschh von orden alle zergenckliche (=vergänglichen) ding von ausßen verlasß (=hinter sich läßt) sünder (=sondern) er müß auch alle creaturliche lieb (Liebe zum Geschaffenen) mit dem ynwendigen hertzen lassen". Wo gibt es solche Leute?-"Nu sehent wo soll man solche frey ynwendige menschen vinden dy auf allen seyten frey sind ynwendig und außwendig von aller hynderlichkait (=Hindernissen, die sie von der vita spiritualis abhalten)".-
"Nu merckt und verstet den syn wol wann man vindet vil gaistlich menschen dye sich ledigen (=frei machen) von eyner hant (Handvoll) unfletikait (=Unflätigkeit; Schmutz) oder von zwayen oder dreyen aber wenig vindet man der dy sich ledigen (ledig=frei machen) künnen von allen weisen (=Arten) der hynderlichkait" (also: man findet viele, die sich von einer, zwei oder drei Arten von Unflat (Schmutz) freigemacht haben, jedoch wenige, die sich von allen Arten der Unreinheit freimachen können).-Und der Schreiber setzt hinzu, daß dies eigentlich unnatürlich sei (der Mensch ist halt schmutzig!): "sehent dyß ist ser swer den menschen zu versten und auch wider dy natur alle unfletigkait zu lassen", denn die Natur "dy mag noch kan nit (=kann auch nict) gedragen (=ertragen) das sy nyndert (nirgends; nicht) auff rage" (also die Natur mag es nicht, sich nicht zu entfalten, "aufzuragen", emporzustreben). Und jetzt wird es sehr theologisch: "und hyer an mag eyn mensch dy underschaid lernen erkennen ob yn naturliche genad allayn beweg zu got umb sich selber oder uber naturliche genad zu yr selber" (und hieran kann man den Unterschied erkennen lernen, ob ihn natürliche Gnade allein bewege zu Gott um seiner selber willen oder übernatürliche Gnade zu ihr selbst"; dunkel ward der Rede Sinn!-Anscheinend ist letztere eine Stufe höher und gibt mehr Punkte!).---
---
CGM 447: TRAKTATE JAN VAN LEEUWENS (TEIL 3)
3) fol. 4v: Leiden wird als etwas Positives gewertet: "seht das leiden ist lauter (=rein) edel und ist auch ein seliges leiden". So litten die Heiligen gerne. Ein solcher "wolt nit das er leides ledig wurd wan lieb will all zeit leiden oder wurcken" (daß er frei von Leiden sei, denn die Liebe will alle Zeit leiden und wirken). Denn keiner ist frei von Leid: "wan yr wisset wol das kain mensch von natur auf ertrich sey der on leiden mag seyn er hab etwas zu leiden auch all sein leb tag". Besonders Geistliche leiden ganz viel: "und sunderlichen so kümpt gaistliche menschen oft und dick leiden da von sie betrubt werden der ayn also der ander anders (=der eine so, der andere so)".
fol. 5 r: Leidet man, so soll man sich freuen: "sünder (=sondern) yr solt euch freuen das euch got ym geleich macht (=daß einen Gott dadurch ihm gleich macht). Wer leidet, ist Gottes Freund: "und das ist eyn wares zaichen das got ewr (lies: euer) freund ist", "wann nit anders was (=war) das leben Christi auf ertrich (=dem Erdreich) dann leiden und armuot und elendigkait". Dann geht es um Armut Christi ("freywillige armuot und gelassenhait" (=Gottergebenheit)), die bei ihm größer war als bei allen Menschen zusammen ("dann aller menschen armuot zu samen dy all menschen ye gewunnen (=jemals erlangten)".
fol. 5 v: Sein Mitleiden war so groß, "das es all heyligen zu samen nit entgründen möchten" (=daß alle Heiligen zusammen es nicht ergründen konnten). Sein kleinstes Leiden war größer als das größte aller Heiligen und Menschen zusammengenommen. Sein Leiden währte 33 Jahre ("werdet drey und dreissig jar lang". Dieses bestand aus "elend hünger durst kelt hitz suss und saur und alles den (=von dem, das) ynwenig und außwendig auf yn vallen möcht").
fol. 6 r: Man soll Christus helfen, sein Leid zu tragen. Äußeres Leiden ist im Vergleich zu Mitleiden gering ("das ist ain clain dink gegen den grossen mit leiden das er ynnen mit uns gehabt hat"). Je mehr man also Dinge tut, "dy wider seyn natur seind also vil wurckt der mensch das got geuelt" (u=v;=desto mehr wirkt er, was Gott gefällt), desto freier werde man ("als vil wirt der mensch seyn selbs ledig (=ledig seiner selbst) und frey", aber desto mehr leide man auch, jedoch auf selige Weise ("alß vil leidet der mensch yn seyligclich weiß". Das Beste sei, "das der mensch zu grund seyn selbs auß-
6 v: gee" (=daß man von Grund auf sein Selbst aufgibt, aus diesem gleichermaßen herausgehe). Begründung: "wann diß ist der aller sicherst weg zu dem ewigen leben". Hat man an dieser Lebensweise erst einmal Gefallen gefunden ("eynest (=irgendwann einmal; dermaleinst) gesmackt het"), dem ist nichts mehr zu schwer ("dar nach mocht dem menschen kayn dingk mer zu swer seyn". Zitat: GREGOR: Liebe will alle Zeit wirken und leiden. Sie wirkt Großes.
fol. 7 r: Es geht nun um selbstloses Dienen und "gut scheynender menschen" (also Leute, die gut zu sein scheinen), Gehorsam, Gottergebenheit ("gelassenhait") sowie Bescheidenheit. Auch um Aufgabe des Eigenwillens, daß man nichts aus "aygenwillen oder auß erkießen" (=was man selber will oder auswählt): "noch dann wer (=wäre) mir dausent mal pesßer und nütz meyn sel das ich meyn selbs zu gründ ynwendig stürb yn rechter gelassenheit und geb meynen willen eynfeltigclichen uber -?-in dy heyligen gehorßam (7v) meynes obersten" (dennoch wäre es 1000mal besser und nützlicher für die Seele, daß man innerlich bis zum Grund absterbe in Gottergebenheit und seinen Willen einfältig an den Klosteroberen übergebe).
7 v: "wann es wer mir daußet mal mer pesßer das ich meynenm prelaten volgt und seynen willen thet auß recht gehorsam des ordens dann das ich meynen willen det". Es folgt eine Art Sprichwort: "wann (=denn) ich sag euch das der mensch vil sicherer reytet der auf eynes anern halß siczet wann er aynen andern auff seyner achßeln (=Rücken) soll lassen reyten" (sicherer ist es, man reitet auf einem anderen, als daß der auf einem reitet). Der nächste Gedanke könnte dies erklären: "und diß mayn ich hyer pey meynem prelaten dem ich gehorßam gelobt han der hat seyn aigne sel fur mich gesetzt aber ich hab mein sel fur yn nit gesetzt" (was soviel bedeutet wie: der Prälat hat den Kopf für mich hingehalten, ich aber nicht für ihn!).-Streitsucht ("griglichkait"): Sie kann am besten überwunden werden, wenn man weder widerspricht ("kayn dingk verantwurt) noch sich beklagt. Es sei das Beste, "das ich waiß das sich der mensch selb druck (=unterdrückt) und laß zu gründ unter got (=und sich unterordnet). Neues Thema: "Wöllen wir nün komen zu ewiger clarheit (=Herrlichkeit) dy got selber ist". Dazu muß man die Gebote halten ("so müßen wir uber eyn dragen (=übereinstimmen) mit den dreyen gepoten gottes und auch mit den dreyen finsternüßen" (damit sind Sünden gemeint).
---
fol. 5 r: Leidet man, so soll man sich freuen: "sünder (=sondern) yr solt euch freuen das euch got ym geleich macht (=daß einen Gott dadurch ihm gleich macht). Wer leidet, ist Gottes Freund: "und das ist eyn wares zaichen das got ewr (lies: euer) freund ist", "wann nit anders was (=war) das leben Christi auf ertrich (=dem Erdreich) dann leiden und armuot und elendigkait". Dann geht es um Armut Christi ("freywillige armuot und gelassenhait" (=Gottergebenheit)), die bei ihm größer war als bei allen Menschen zusammen ("dann aller menschen armuot zu samen dy all menschen ye gewunnen (=jemals erlangten)".
fol. 5 v: Sein Mitleiden war so groß, "das es all heyligen zu samen nit entgründen möchten" (=daß alle Heiligen zusammen es nicht ergründen konnten). Sein kleinstes Leiden war größer als das größte aller Heiligen und Menschen zusammengenommen. Sein Leiden währte 33 Jahre ("werdet drey und dreissig jar lang". Dieses bestand aus "elend hünger durst kelt hitz suss und saur und alles den (=von dem, das) ynwenig und außwendig auf yn vallen möcht").
fol. 6 r: Man soll Christus helfen, sein Leid zu tragen. Äußeres Leiden ist im Vergleich zu Mitleiden gering ("das ist ain clain dink gegen den grossen mit leiden das er ynnen mit uns gehabt hat"). Je mehr man also Dinge tut, "dy wider seyn natur seind also vil wurckt der mensch das got geuelt" (u=v;=desto mehr wirkt er, was Gott gefällt), desto freier werde man ("als vil wirt der mensch seyn selbs ledig (=ledig seiner selbst) und frey", aber desto mehr leide man auch, jedoch auf selige Weise ("alß vil leidet der mensch yn seyligclich weiß". Das Beste sei, "das der mensch zu grund seyn selbs auß-
6 v: gee" (=daß man von Grund auf sein Selbst aufgibt, aus diesem gleichermaßen herausgehe). Begründung: "wann diß ist der aller sicherst weg zu dem ewigen leben". Hat man an dieser Lebensweise erst einmal Gefallen gefunden ("eynest (=irgendwann einmal; dermaleinst) gesmackt het"), dem ist nichts mehr zu schwer ("dar nach mocht dem menschen kayn dingk mer zu swer seyn". Zitat: GREGOR: Liebe will alle Zeit wirken und leiden. Sie wirkt Großes.
fol. 7 r: Es geht nun um selbstloses Dienen und "gut scheynender menschen" (also Leute, die gut zu sein scheinen), Gehorsam, Gottergebenheit ("gelassenhait") sowie Bescheidenheit. Auch um Aufgabe des Eigenwillens, daß man nichts aus "aygenwillen oder auß erkießen" (=was man selber will oder auswählt): "noch dann wer (=wäre) mir dausent mal pesßer und nütz meyn sel das ich meyn selbs zu gründ ynwendig stürb yn rechter gelassenheit und geb meynen willen eynfeltigclichen uber -?-in dy heyligen gehorßam (7v) meynes obersten" (dennoch wäre es 1000mal besser und nützlicher für die Seele, daß man innerlich bis zum Grund absterbe in Gottergebenheit und seinen Willen einfältig an den Klosteroberen übergebe).
7 v: "wann es wer mir daußet mal mer pesßer das ich meynenm prelaten volgt und seynen willen thet auß recht gehorsam des ordens dann das ich meynen willen det". Es folgt eine Art Sprichwort: "wann (=denn) ich sag euch das der mensch vil sicherer reytet der auf eynes anern halß siczet wann er aynen andern auff seyner achßeln (=Rücken) soll lassen reyten" (sicherer ist es, man reitet auf einem anderen, als daß der auf einem reitet). Der nächste Gedanke könnte dies erklären: "und diß mayn ich hyer pey meynem prelaten dem ich gehorßam gelobt han der hat seyn aigne sel fur mich gesetzt aber ich hab mein sel fur yn nit gesetzt" (was soviel bedeutet wie: der Prälat hat den Kopf für mich hingehalten, ich aber nicht für ihn!).-Streitsucht ("griglichkait"): Sie kann am besten überwunden werden, wenn man weder widerspricht ("kayn dingk verantwurt) noch sich beklagt. Es sei das Beste, "das ich waiß das sich der mensch selb druck (=unterdrückt) und laß zu gründ unter got (=und sich unterordnet). Neues Thema: "Wöllen wir nün komen zu ewiger clarheit (=Herrlichkeit) dy got selber ist". Dazu muß man die Gebote halten ("so müßen wir uber eyn dragen (=übereinstimmen) mit den dreyen gepoten gottes und auch mit den dreyen finsternüßen" (damit sind Sünden gemeint).
---
Montag, 20. August 2018
CGM 447: TRAKTATE JAN VAN LEEUWENS (TEIL 2)
2) fol. 3v: Ihr höchster Lohn ist, daß man Gott dienen kann "auf unßer kost on allen wider lon" (sozusagen auf eigene Kosten ohne Gegenlohn): "aber solich lieb haber seyn got ser und vast deuer auff ertrich" (die sind Gott teuer auf dem Erdenreich). Wer aber denkt, daß er im ewigen Leben entschädigt werde, hat sich geschnitten!-"und ich sag ouch fur war (=fürwahr) dy nach wider lon dyenen und yr selbs gemach suchen diße menschen sind noch zu der hohsten lieb nit komen und haben der genad gottes yn dem gaist noch nit enpfanden" (und ich sage euch, wahrlich, die nach Bezahlung gieren und ihren billigen Vorteil suchen, die haben den Geist noch nicht empfangen!). Aber: "das sind all arm buben dy umb eygen wider lon yn selbs dyenen" (also: das sind alles kleine miese Dreckskerle, die Gott um des Geldes wegen dienen!!).-Solange man noch nicht "abgestorben" ist, hat man noch nicht den "spirit": "und als lang der mensch dy ungestorbenhait yn ym vindet des yn düncket (daß er denkt), das man ym unrecht thü oder thon möge, für war (=wahrlich) so hat er das gaist gotes yn ym der worhait noch nit enfunden (=empfangen)".-
4 r: Nun geht es darum, was Liebe bewirkt, wieviel man, obwohl vollkommen, leiden soll etc. Im Wirken und Leiden "do ist eygentlich alle heiligkait ynn begriffen (=miteinbegriffen)", "wan (=denn) anders ist kayn heiligkait yn hymel und auff ertrich". Wir sollen also "frolich leiden" "on alle mürmürung (das ist nicht Türkisch, sondern Latein: murmuratio=Murren; eine arge Sünde, jajaj!). Außerdem sollen wir "kain leiden swer achten", ja "nymer mer solt der mensch dar nach leides ledig wellen sten" (niemals mehr soll der Mensch danach des Leides ledig "stehen" (svw. sein) wollen). Es geht noch weiter: "sünder er solt das alzeit mer begern und piten got das er gaistliches leids wirdigclichen ent- (fol. 4 r) pfencklich werden möcht" (sondern daß er alle Zeit mehr begehren will (scil. an Leid!) und Gott bittet, daß er des Leids würdig und für es empfänglich werden möchte!).-
---
4 r: Nun geht es darum, was Liebe bewirkt, wieviel man, obwohl vollkommen, leiden soll etc. Im Wirken und Leiden "do ist eygentlich alle heiligkait ynn begriffen (=miteinbegriffen)", "wan (=denn) anders ist kayn heiligkait yn hymel und auff ertrich". Wir sollen also "frolich leiden" "on alle mürmürung (das ist nicht Türkisch, sondern Latein: murmuratio=Murren; eine arge Sünde, jajaj!). Außerdem sollen wir "kain leiden swer achten", ja "nymer mer solt der mensch dar nach leides ledig wellen sten" (niemals mehr soll der Mensch danach des Leides ledig "stehen" (svw. sein) wollen). Es geht noch weiter: "sünder er solt das alzeit mer begern und piten got das er gaistliches leids wirdigclichen ent- (fol. 4 r) pfencklich werden möcht" (sondern daß er alle Zeit mehr begehren will (scil. an Leid!) und Gott bittet, daß er des Leids würdig und für es empfänglich werden möchte!).-
---
CGM 447, FOL. 1 R-118 V (?): AUS DEN TRAKTATEN DES JAN VAN LEEUWEN: TEIL 1: 1R-4R
1) Die Sammelhandschrift stammt aus Rebdorf; Papier, 223 Blatt; Ende 15. Jh, Schriftart: Bastarda; 1. Schreiberhand: 1r-26r, übereinstimmend mit der 2. Hand im Cgm 458, 328v.
Vorlage: Sammlung der Traktate Jans van Leeuwen (flämischer Mystiker), geschrieben: von Peter van Zutphen; auch in: Berlin mgo 565, 127 r-183r u. Eichstätt, Cod. S. Walb. germ. 7, 89r-113r, beide aus Rebdorf (s. Kat. der bayer. Staatsbib. München von Karin Schneider).-
---
INCIPIT: "ayn gaistlich ler und unterweyßung von der dyemutikait genumen und gesammet auß den püchern des erwerdigen bruders Johann Coch yn dem closter zu Gravendal yn Brabant eyn lay ongelert der nit enkönd yn litterlicher kunst a vor b. Dyemütige sentfmutige nyderhait dye ist ein gruntfest von allen worigen gut von gnaden..." (eine geistliche Lehre und Unterweisung von der Demut, genommen und gesammelt aus den Büchern des erwürdigen Bruders Johann Koch in dem Kloster zu Gravendal in Brabant (Holland), ein ungelehrter Laie in der literarischen Kunst, der nicht a von b unterscheiden kann. Demütige, sanftmütige Niedrigkeit, die eine Grundfeste (=Fundament) von allem wahren Gut aus Gnade ist...)
---
fol. 1r: Der wahre demütige Mensch hat die Eitelkeit (=Nichtigkeit, Verlogenheit) dieser falschen Welt innerlich und äußerlich gleichermaßen hinter sich gelassen ("der ist eyn warer dyemutiger unter geworfener mensch der alle ?-chait dißer falschen welt yn wendig und auß-wendig umb gottes willen geleich gelassen oder frolichen lasßen will"). Dies bedeutet Überwindung der Welt: "das ist zu versten das der mensch all yrdische und zeitliche ding also überwünden hab und unter seyn fusß getreten hab". Außerdem will ein solcher eher weniger als mehr haben: "das er all zeyt soll begeren lyeber mynder zeitliches gutz dann mer zu haben". Darüber hinaus: "und auch so soll eynem grunt dymütigen menschen lyeber seyn das ym der aller ermste mensch der welt uber yn zu pieten het denn er über yn" (also eher daß der Ärmste über ihn gebieten soll als umgekehrt!).
---
fol. 1 v: Er wird lieber "unter geworffen dann her für gezogen" (d.h. er will eher benachteiligt als bevorzugt werden!). Durch solches Verhalten wird der Geist über sich erhöht und zu Gott gehoben. Doch dazu bedarf es, "das eyn mensch flych alle weltliche ere" (daß er weltlicher Ehre aus dem Weg geht; sie flieht). Auch muß er die Vermessenheit überwinden: "über wint er alle hoffart". Doch darüber hinaus geht, "das sich eyn mensch selber yn wendig zu gründ druken und versmehen kan...also das der mensch von ym selber nichtz nit
fol. 2 r: von ym selber halten soll als ob er eyn verworfener hünd" (also daß er sich innerlich niederdrückt und verschmähe...daß er selber von sich nichts halte, als ob er ein verachteter Hund wäre!-Wer sich dergestalt "vernichtet", ist für Gott der Wertvollste! ("sich selber vernichten kan durch gruntloße (=bodenlose) dymutikait sehent der mensch ist got allerwerdest"). In einem solchen "rwet (w lies u!) sicher der heylig gaist" (in diesem ruht der heilige Geist). Doch noch mehr ist leiden: "mer diß setz ich hundert tausent mal grösßer das eyn mensch willigclich yn wendig und außwendig leyden und verdragen (=etwas ertragen) mag", natürlich ohne ein Wort der Klage (!)
fol. 2 r:...daß ihn ein anderer unterdrückt und verschmäht ("on alles verantwurten oder rechen (=rächen) da yn eyn ander mensch verdruck und versmeh er thu ym halt onrecht das er denn das geleych vertrag yn wendig und außwendig" (daß er also, wenn ihm nun Unrecht geschieht, er dies gleichermaßen inwendig wie äußerlich ertrage)). Und: "das er stett stee und yn allen seynen synnen onbewegt" (daß er "stetig stehe" (beständig ist) und in seinen Sinnen unbewegt. So hat man die Eigenliebe "über wünden und getöt".-
---fol. 2 v: Es geht dann um das willige Leiden, ohne zu klagen.- Wie die Sonne das Glas durchscheint, so durchleuchtet Gott die Seelengründe ("dye sun durch scheynet das glasß und auch das elendt (??) erleucht sehent (lat. videns) also (=so) durch leuchtet got dy gründt dymutiger menschen"). Ein solcher demütiger Mensch ist selig, "wan warr dymutigkait setzt den menschen über all hymel".
---
fol. 3r: Sodann geht es um Freiheit, die für einen kurzen Moment erhebt, "und ee ich es gewar wird...so setzet sy mich...an den nidersten stat" (und ehe man es gewahr wird...setzt sie einen an die niederste Stätte!) "und machet mich als elendig und also arm recht als eynen verworffen menschen" (und macht einen elend wie einen verachteten Menschen), der von Gott nichts weiß und wissen wird. Dies passiert oft ("diß geschicht mit dicke"). Danach geht es um die Liebe und daß "ich waiß nicht wem ich es clagen soll und darumb müsß ich meynen last allain trage" (daher muß er seine Last alleine tragen).-Es sei nützlich, der Liebe keinen Widerstand zu leisten. Sie mache arm und reich zugleich.
---
Vorlage: Sammlung der Traktate Jans van Leeuwen (flämischer Mystiker), geschrieben: von Peter van Zutphen; auch in: Berlin mgo 565, 127 r-183r u. Eichstätt, Cod. S. Walb. germ. 7, 89r-113r, beide aus Rebdorf (s. Kat. der bayer. Staatsbib. München von Karin Schneider).-
---
INCIPIT: "ayn gaistlich ler und unterweyßung von der dyemutikait genumen und gesammet auß den püchern des erwerdigen bruders Johann Coch yn dem closter zu Gravendal yn Brabant eyn lay ongelert der nit enkönd yn litterlicher kunst a vor b. Dyemütige sentfmutige nyderhait dye ist ein gruntfest von allen worigen gut von gnaden..." (eine geistliche Lehre und Unterweisung von der Demut, genommen und gesammelt aus den Büchern des erwürdigen Bruders Johann Koch in dem Kloster zu Gravendal in Brabant (Holland), ein ungelehrter Laie in der literarischen Kunst, der nicht a von b unterscheiden kann. Demütige, sanftmütige Niedrigkeit, die eine Grundfeste (=Fundament) von allem wahren Gut aus Gnade ist...)
---
fol. 1r: Der wahre demütige Mensch hat die Eitelkeit (=Nichtigkeit, Verlogenheit) dieser falschen Welt innerlich und äußerlich gleichermaßen hinter sich gelassen ("der ist eyn warer dyemutiger unter geworfener mensch der alle ?-chait dißer falschen welt yn wendig und auß-wendig umb gottes willen geleich gelassen oder frolichen lasßen will"). Dies bedeutet Überwindung der Welt: "das ist zu versten das der mensch all yrdische und zeitliche ding also überwünden hab und unter seyn fusß getreten hab". Außerdem will ein solcher eher weniger als mehr haben: "das er all zeyt soll begeren lyeber mynder zeitliches gutz dann mer zu haben". Darüber hinaus: "und auch so soll eynem grunt dymütigen menschen lyeber seyn das ym der aller ermste mensch der welt uber yn zu pieten het denn er über yn" (also eher daß der Ärmste über ihn gebieten soll als umgekehrt!).
---
fol. 1 v: Er wird lieber "unter geworffen dann her für gezogen" (d.h. er will eher benachteiligt als bevorzugt werden!). Durch solches Verhalten wird der Geist über sich erhöht und zu Gott gehoben. Doch dazu bedarf es, "das eyn mensch flych alle weltliche ere" (daß er weltlicher Ehre aus dem Weg geht; sie flieht). Auch muß er die Vermessenheit überwinden: "über wint er alle hoffart". Doch darüber hinaus geht, "das sich eyn mensch selber yn wendig zu gründ druken und versmehen kan...also das der mensch von ym selber nichtz nit
fol. 2 r: von ym selber halten soll als ob er eyn verworfener hünd" (also daß er sich innerlich niederdrückt und verschmähe...daß er selber von sich nichts halte, als ob er ein verachteter Hund wäre!-Wer sich dergestalt "vernichtet", ist für Gott der Wertvollste! ("sich selber vernichten kan durch gruntloße (=bodenlose) dymutikait sehent der mensch ist got allerwerdest"). In einem solchen "rwet (w lies u!) sicher der heylig gaist" (in diesem ruht der heilige Geist). Doch noch mehr ist leiden: "mer diß setz ich hundert tausent mal grösßer das eyn mensch willigclich yn wendig und außwendig leyden und verdragen (=etwas ertragen) mag", natürlich ohne ein Wort der Klage (!)
fol. 2 r:...daß ihn ein anderer unterdrückt und verschmäht ("on alles verantwurten oder rechen (=rächen) da yn eyn ander mensch verdruck und versmeh er thu ym halt onrecht das er denn das geleych vertrag yn wendig und außwendig" (daß er also, wenn ihm nun Unrecht geschieht, er dies gleichermaßen inwendig wie äußerlich ertrage)). Und: "das er stett stee und yn allen seynen synnen onbewegt" (daß er "stetig stehe" (beständig ist) und in seinen Sinnen unbewegt. So hat man die Eigenliebe "über wünden und getöt".-
---fol. 2 v: Es geht dann um das willige Leiden, ohne zu klagen.- Wie die Sonne das Glas durchscheint, so durchleuchtet Gott die Seelengründe ("dye sun durch scheynet das glasß und auch das elendt (??) erleucht sehent (lat. videns) also (=so) durch leuchtet got dy gründt dymutiger menschen"). Ein solcher demütiger Mensch ist selig, "wan warr dymutigkait setzt den menschen über all hymel".
---
fol. 3r: Sodann geht es um Freiheit, die für einen kurzen Moment erhebt, "und ee ich es gewar wird...so setzet sy mich...an den nidersten stat" (und ehe man es gewahr wird...setzt sie einen an die niederste Stätte!) "und machet mich als elendig und also arm recht als eynen verworffen menschen" (und macht einen elend wie einen verachteten Menschen), der von Gott nichts weiß und wissen wird. Dies passiert oft ("diß geschicht mit dicke"). Danach geht es um die Liebe und daß "ich waiß nicht wem ich es clagen soll und darumb müsß ich meynen last allain trage" (daher muß er seine Last alleine tragen).-Es sei nützlich, der Liebe keinen Widerstand zu leisten. Sie mache arm und reich zugleich.
---
Sonntag, 19. August 2018
CGM 447: VOM BESCHAUENDEN LEBEN (Teil 2)
2) fol. 37 r: So soll man auch den Sinn von eitlen (=nichtigen) Worten bewahren ("seynen mut von eyteln worten bewarn"), ebenso sein Herz von bösen Worten und Gedanken ("sein hertz von poßen worten gedenken bewaren"). Hieraus entstehe Tugend. Diesen Schatz solle man bewahren.
"Pist du eyn gaystlich mensch und wilt frid deynes hertzen süchen so gee nit vil unter dy leütt laß dich nit vil sehen" (ist man ein geistlicher Mensch und sucht den inneren Frieden, dann gehe man nicht viel unter die Leute; laß dich nicht viel sehen!).-"Fleuch mit Christum von der schar und piß allayn" (fliehe mit Christus die Schar (Menge) und sei allein).
Klage nur Jesus deine Not, "unter dem volk ist er nit" (beim blöden Volk kannst du ihn lange suchen).
"Was wilt du pey den leuten suchen laß dy eytelkait der welt und beware deyn cellen" (was willst du bei den Leuten (suchen oder finden), laß die Nichtigkeit dieser welt und bleib in deiner Zelle!).
"Da hast du friden außwendig hast du on-
fol. 37 v:-frid und leyden" (da hast du Frieden, draußen hast du nur Unfrieden und Leid!).-Wenn du ausgehst, hörst du nur Dinge, die dir Leid verursachen, wenn du zurückkommst.
"Kanst du dy leut verlassen dy leut verlasßen dich wol" (Man kann getrost die Leute verlassen, die Leute verlassen einen ohnehin). Halt dich an den, der dich niemals verlassen wird, es sei denn du tust es ("halt dich an den der dich nymmer verlassen will du verlasßest yn dann (=es sei denn)).-
---
Oder mein Rat: Halte dich an die Philosophie! Ansonsten lieber an nichts.
---
"Pist du eyn gaystlich mensch und wilt frid deynes hertzen süchen so gee nit vil unter dy leütt laß dich nit vil sehen" (ist man ein geistlicher Mensch und sucht den inneren Frieden, dann gehe man nicht viel unter die Leute; laß dich nicht viel sehen!).-"Fleuch mit Christum von der schar und piß allayn" (fliehe mit Christus die Schar (Menge) und sei allein).
Klage nur Jesus deine Not, "unter dem volk ist er nit" (beim blöden Volk kannst du ihn lange suchen).
"Was wilt du pey den leuten suchen laß dy eytelkait der welt und beware deyn cellen" (was willst du bei den Leuten (suchen oder finden), laß die Nichtigkeit dieser welt und bleib in deiner Zelle!).
"Da hast du friden außwendig hast du on-
fol. 37 v:-frid und leyden" (da hast du Frieden, draußen hast du nur Unfrieden und Leid!).-Wenn du ausgehst, hörst du nur Dinge, die dir Leid verursachen, wenn du zurückkommst.
"Kanst du dy leut verlassen dy leut verlasßen dich wol" (Man kann getrost die Leute verlassen, die Leute verlassen einen ohnehin). Halt dich an den, der dich niemals verlassen wird, es sei denn du tust es ("halt dich an den der dich nymmer verlassen will du verlasßest yn dann (=es sei denn)).-
---
Oder mein Rat: Halte dich an die Philosophie! Ansonsten lieber an nichts.
---
CGM 447, FOL. 34 v-37 v: VOM BESCHAUENDEN LEBEN (Teil 1)
1) Der CGM 447 enthält u.a. Auszüge aus Jan van Leeuwen, Seuse, Tauler. Herkunft: Rebdorf, 223 Blatt, Ende 15. Jh.; auch: Eichstätt, Cod. 5 (S ?) Walb. germ. 7, 115 r-120 r.
Unter Punkt 10 befindet sich eine kurze Abhandlung über das beschauliche Leben.
---
fol. 34 v-35 r: Wenn man ein beschauendes Leben führen will, so muß man sich vor Sünden bewahren "und alle werntliche (=weltlichen) ding und sach unter dye füsß treten" (=svw. in den Staub treten, verachten) und nur sein Heil bei Gott suchen. Es gibt zwei Arten der vita contemplativa: "so ist eyn beschauend leben zwayerlay das ain ist groß das ander clayne in dem grossen beschauet man got und sein weßen jn dem claynen beschaut man die werck gottes". Bei der "claynen beschawung (w lies u!) lobt man Gott "und dann betrachtest das firmament des hymels wye höhe wy clare wye schöne sün mone sterne planeten und all yrer lauf clarhait macht tugent und freyhayt wye schicklichen sye auf und nider gen vor und nach der sunnen eynn yeglichs so als es geordenirt ist und das sein nit ubertrit" (man soll also das Firmament und den Himmel betrachten, wie hoch, klar (hell) und schön Sonne, Mond und Sterne sowie Planeten sind und die Helligkeit, Macht, Trefflichkeit ihres Laufes (ihrer Bahn; denkbar auch: die Betrachtung des Himmel bewirkt Klarheit, Tugend, Freiheit), wie schön sie auf und niedergehen (untergehen), vor und nach der Sonne, jeder so, wie es angeordnet ist, ohne daß eines davon seine Bahn verläßt). Dann soll man sich die Luft ansehen "mit maynigerlay
fol. 35 v: fögeln der ey yeglicher seyne aygene farbe und natur hat das wasser mit maynigerlay vische grosß und clayne dar nach dye erden mit maniger hand tyren und haymlichen maynigerlay paümen kreutter und frucht..." (also die Vögel der Luft, von denen jeder seine eigene Farbe und Natur hat, das Wasser mit mancherlei Fischen, groß und klein, danach die Erde mit allerhand Tieren und verborgenen Bäumen, Kräutern und Früchten...). Sodann betrachte man das Gold, Silber, die Edelsteine in der Erde, die Erzengel, Engel, die Natur des Menschen etc. "und wye er geüallen ist" (in Sünde gefallen ist). Außerdem "wye den menschen dye yn-?- dißem sterblichen leben sint gegeben das sye mit den augen irer verstentniß beschauen mögen den spyegel des hymlischen garten und der aller heyligsten junckfrau marie..." (daß also dem Menschen in seinem sterblichen Leben gegeben ist, mit der Vernunft das Spiegelbild des Himmelsgarten und von Maria zu sehen).
36 r: Man erhebe auch die Augen zu den Werken Gottes,-es folgt nun ein Lob und eine Wesensbeschreibung Gottes- der ewig, allmächtig, barmherzig, gedultig, milde und gut ist, der in allen Dingen ist, wie alle Dinge in ihm und aus ihm sind, der die Weisheit, Tugend, Ewigkeit, das höchste Gut ist, der alle Dinge weiß, bevor sie geschehen ("der alle ding waysß ee sy geschehen und geschehen sint") etc. Gott sei unbewegt, bewege aber alle Dinge ("wye er on beweglich ist und bewe- (fol. 36 v)-get alle ding"). Seine Trinität: ("wye drey person sind und doch ayn got ist"). Dann soll man noch betrachten, was die drei Personen Gottes für unser Heil getan haben ("und was sy samentlichen (=zusammen, insgesamt) und besunder (=besonders; im besonderen) umb unserß hayles willen haben gethon").
Die Contemplatio geschieht auf dreierlei Weise ("diße beschauung geschicht yn dreyerlay weyß dye eyne mit den augen des gemütz (hertzen) dy ander mit aufhebung des hertzen dy drit mit verwandlung und verzuckung des hertzen" (mit dem Gemüt/ Herzen, mit Erhebung des Herzens, mit innerer Wandlung und Verzückung).
Den Trost des heiligen Geistes bekommen wir nicht,"dye weyl wir den trost der außwendigen dingen süchen" (weil wir in äußeren Dingen Trost suchen). Wer aber diese Betrachtung hat, ist Gott nahe ("und wem (wen?) diße beschauung geschehen mügen dye sullen wisßen das sy got nahent sind"). Erhält man diese Gnade, soll man das nicht seinem eigenen Verdienst zuschreiben ("der soll ym sye nit zu schreiben als ob er dye auß aygen verdyenst hab").
---
Unter Punkt 10 befindet sich eine kurze Abhandlung über das beschauliche Leben.
---
fol. 34 v-35 r: Wenn man ein beschauendes Leben führen will, so muß man sich vor Sünden bewahren "und alle werntliche (=weltlichen) ding und sach unter dye füsß treten" (=svw. in den Staub treten, verachten) und nur sein Heil bei Gott suchen. Es gibt zwei Arten der vita contemplativa: "so ist eyn beschauend leben zwayerlay das ain ist groß das ander clayne in dem grossen beschauet man got und sein weßen jn dem claynen beschaut man die werck gottes". Bei der "claynen beschawung (w lies u!) lobt man Gott "und dann betrachtest das firmament des hymels wye höhe wy clare wye schöne sün mone sterne planeten und all yrer lauf clarhait macht tugent und freyhayt wye schicklichen sye auf und nider gen vor und nach der sunnen eynn yeglichs so als es geordenirt ist und das sein nit ubertrit" (man soll also das Firmament und den Himmel betrachten, wie hoch, klar (hell) und schön Sonne, Mond und Sterne sowie Planeten sind und die Helligkeit, Macht, Trefflichkeit ihres Laufes (ihrer Bahn; denkbar auch: die Betrachtung des Himmel bewirkt Klarheit, Tugend, Freiheit), wie schön sie auf und niedergehen (untergehen), vor und nach der Sonne, jeder so, wie es angeordnet ist, ohne daß eines davon seine Bahn verläßt). Dann soll man sich die Luft ansehen "mit maynigerlay
fol. 35 v: fögeln der ey yeglicher seyne aygene farbe und natur hat das wasser mit maynigerlay vische grosß und clayne dar nach dye erden mit maniger hand tyren und haymlichen maynigerlay paümen kreutter und frucht..." (also die Vögel der Luft, von denen jeder seine eigene Farbe und Natur hat, das Wasser mit mancherlei Fischen, groß und klein, danach die Erde mit allerhand Tieren und verborgenen Bäumen, Kräutern und Früchten...). Sodann betrachte man das Gold, Silber, die Edelsteine in der Erde, die Erzengel, Engel, die Natur des Menschen etc. "und wye er geüallen ist" (in Sünde gefallen ist). Außerdem "wye den menschen dye yn-?- dißem sterblichen leben sint gegeben das sye mit den augen irer verstentniß beschauen mögen den spyegel des hymlischen garten und der aller heyligsten junckfrau marie..." (daß also dem Menschen in seinem sterblichen Leben gegeben ist, mit der Vernunft das Spiegelbild des Himmelsgarten und von Maria zu sehen).
36 r: Man erhebe auch die Augen zu den Werken Gottes,-es folgt nun ein Lob und eine Wesensbeschreibung Gottes- der ewig, allmächtig, barmherzig, gedultig, milde und gut ist, der in allen Dingen ist, wie alle Dinge in ihm und aus ihm sind, der die Weisheit, Tugend, Ewigkeit, das höchste Gut ist, der alle Dinge weiß, bevor sie geschehen ("der alle ding waysß ee sy geschehen und geschehen sint") etc. Gott sei unbewegt, bewege aber alle Dinge ("wye er on beweglich ist und bewe- (fol. 36 v)-get alle ding"). Seine Trinität: ("wye drey person sind und doch ayn got ist"). Dann soll man noch betrachten, was die drei Personen Gottes für unser Heil getan haben ("und was sy samentlichen (=zusammen, insgesamt) und besunder (=besonders; im besonderen) umb unserß hayles willen haben gethon").
Die Contemplatio geschieht auf dreierlei Weise ("diße beschauung geschicht yn dreyerlay weyß dye eyne mit den augen des gemütz (hertzen) dy ander mit aufhebung des hertzen dy drit mit verwandlung und verzuckung des hertzen" (mit dem Gemüt/ Herzen, mit Erhebung des Herzens, mit innerer Wandlung und Verzückung).
Den Trost des heiligen Geistes bekommen wir nicht,"dye weyl wir den trost der außwendigen dingen süchen" (weil wir in äußeren Dingen Trost suchen). Wer aber diese Betrachtung hat, ist Gott nahe ("und wem (wen?) diße beschauung geschehen mügen dye sullen wisßen das sy got nahent sind"). Erhält man diese Gnade, soll man das nicht seinem eigenen Verdienst zuschreiben ("der soll ym sye nit zu schreiben als ob er dye auß aygen verdyenst hab").
---
Mittwoch, 15. August 2018
NACHTRAG ZU : "EIGENBESITZ UND GEHORSAM IM KLOSTER"
Diese Schrift ist meines Wissen auch in der Dissertation von B. Haage abgedruckt (Johannes von Indersdorf: Von dreierlei Wesen des Menschen, 1968).
---
---
NACHTRAG ZU: "VON DEN MÜHEN UND PLAGEN"
Es gibt eine Abhandlung des BERNADINO DA SIENA (15. Jh.), die im Titel eine gewisse Ähnlichkeit aufweist: De calamitatibus et miseriis vitae humanae =sermo 16 (sermones de tempore et diversis).
---
---
CGM 800: EIGENBESITZ UND GEHORSAM IM KLOSTERLEBEN
4) fol. 177 r: Dafür gibt es keinen Dispens, nicht einmal vom Papst (dar über chain gewalt noch der pabst dispensieren mag"), genausowenig gibt es Erlaubnis, daß ein Prieseter Laie werde, daß man etwas besitze oder Unkeuschheit treibe, "wann die drew stuck daz ist die gehorsam keuschait und willige armuet pinden geleich all closter person frawen und man". BERNHARDZITAT über den Gehorsam, den die Geistlichen schuldig sind. Der Eigenwille macht nämlich eine gute Tat zunichte ("O wie ain grosse sündt ist aygner will der dem menschen macht sein güttat unfruchtper wenn er nit erfüllt den willen seiner öbern". HIERONYMUSZITAT: Gott ist genehm, was du Gutes tust. BERNHARD: "ob dw closter mensch vastests nacht und tag und vil pecz (=pacem dare) völprecht (=vollbringst) mit heissen zächern (=Tränen) und ob dw dir selbs clüg und weiß werest (wenn du dich also für schlau hältst wie die meisten!) und ob du die pot (=Gebote) Christi hieltest und deinen geistlichen vater oder mueter ungehorsam pist so hastu die güttat verloren gen(=gegenüber) got" (die Eigenmächtigkeit macht ein gutes Wek zunichte). GREGORZITAT.-ZITAT EVANGELIUM: "wer euch hört der hört mich und wer euch versmecht (=verschmäht) der versmächt mich". Solche sollen auch verschmäht werden ("pillich und rechlich daz söllich von got auch versmecht werden". Zitat aus VITAS PATRUM:
fol. 177 v: "stet geschriben wie ain heiliger vater gesechen het vierlay ordung der menschen in dem himel"
fol. 177 v: "stet geschriben wie ain heiliger vater gesechen het vierlay ordung der menschen in dem himel"
CGM 800: EIGENBESITZ UND GEHORSAM IM KLOSTERLEBEN
3) Jedem, der im Kloster Besitz hat, droht ewige Verdammnis. Da so jemand in Todsünde fällt, nützt im auch die Beichte wenig: " dar umb daz die selb person wissentlich in tödliche sünden daz thuet wie wol (=obwohl) daz ist daz sich die selb person alltag peicht yedoch so entpfacht (=empfängt) sy nit den nucz der peicht darumb daz sy nit willen hat zelassen die aigenschafft (dafür daß sie nicht willens war, auf den Besitz zu verzichten)". Auch die Priester, die einem solchen Absolution erteilen, sündigen tödlich ("auch die priester die söllich person absolvieren...sie sunden auch tödlich"). GREGOR droht sogar mit Entzug de Sakraments. Leute, bei denen an ihrem Ende Besitz gefunden wurde und die keine Buße getan haben ("und ob sy also gefunden wirt an irem endt"; "und darüber nit genueg thon mit ainer wirdigen pueß"), solche bekommen kein Begräbnis ("so soll sy nicht tailhafftig sein der grebnuß mit andern iren swestern und pruederen"). Obere, die dies trotzdem erlauben, verlieren ihr Amt: "und der prelatt oder prelätin die daz also zw sicht (=dabei zusieht) soll beraubt sein irs ampts" (fristlos entlassen!). Dazu auch WILHELMUS LUGDUNIENSIS (Summa viciorum=Summe über die Laster, Kapitel "Geiz"): "man soll all person in ainem closter außtreiben die aigenschafft haben", denn Gott könnte ja vom Himmel Feuer regnen lassen ("wann es nit zw verwundern wer daz der allmachtig got vom himel fewr ließ regen da ein".
176 v: Grund für das Übel der Klöster ist der Eigenbesitz ("und daz übel daz die clöster (176 v) dulden das ist als ain ursach aigenschafft und auch ander sund". Die Folgen des Besitzes: "es kumpt auch von aigenschafft untter geistlichen menschen neyd und haß untrewe krieg vill unnüczer wort und werck auch kumbt dar von wollust des leibs und ander vil sundt".-WILHELMUS: Solche Menschen muß man ächten und verfolgen "daz man ain sölliche durchächtet und peinigt". Der MEISTER VON PARIS: Alle Versuch durch Bußübungen, den Heiligen gleich zu werden nützen nichts, wenn ich Besitz habe ("pin ich aber ain aigenschaffter und wirt dar inn erfunden mit dem todt ich waiß daz für war aigentlich wol daz ich an (=ohne) all untterlaß und auffhaltung müeß ab varen in die ewige verdampnuß" (also ab in die Hölle!).
---
176 v: Grund für das Übel der Klöster ist der Eigenbesitz ("und daz übel daz die clöster (176 v) dulden das ist als ain ursach aigenschafft und auch ander sund". Die Folgen des Besitzes: "es kumpt auch von aigenschafft untter geistlichen menschen neyd und haß untrewe krieg vill unnüczer wort und werck auch kumbt dar von wollust des leibs und ander vil sundt".-WILHELMUS: Solche Menschen muß man ächten und verfolgen "daz man ain sölliche durchächtet und peinigt". Der MEISTER VON PARIS: Alle Versuch durch Bußübungen, den Heiligen gleich zu werden nützen nichts, wenn ich Besitz habe ("pin ich aber ain aigenschaffter und wirt dar inn erfunden mit dem todt ich waiß daz für war aigentlich wol daz ich an (=ohne) all untterlaß und auffhaltung müeß ab varen in die ewige verdampnuß" (also ab in die Hölle!).
---
CGM 800: EIGENBESITZ UND GEHORSAM IM KLOSTERLEBEN
2) fol. 175 r: Eigentum zu erlauben, ist nicht sehr förderlich ("das hilfft nit die selbigen person"), ja es droht sogar die Gefahr des Selbstbetruges ("besunder er betrügt sich selbs und verdampnet seinen unttertan": "also eß soll der prelat nicht gedencken daz er müg erlauben seinen unttertan daz sy mügen aigenschafft haben" (also nix gibt's)., denn das Ablehnen des Besitzes ist wie das Keuschheitsgebot an die Regel gebunden ("wann das verlaugnen (=verleugnen, ablehnen) der aigenschafft zw geleicher weiß als daz gelüb der keuschait ist als vast (=fest) gepunden zw der regell das da wider der pabst urlaub (=Erlaubnis) nicht mag gewen". Der Geistliche soll nicht einmal einen Pfennig haben: "der da ist untter ainer regell in ainem geistlichen wesen der soll nit haben ainen pfennung will er anders nit verderben..." Dazu BERNHARD: Ein Geistlicher, der einen Heller (=Pfennig) hat, ist keinen Heller wert ("ein geistlich person die da hat ain haller die ist nit werd ains hallers"). Aufforderung des HIEROMYMUS, "daz die behaltung geistlich ordnung ewigclich beleib in ewrem closter".
fol. 175 v: Keine Klosterfrau darf etwas besitzen, sondern es soll eine ausgewählt werden, die sich um die Einnahen kümmert. Diese muß allerdings gefestigt im Glauben sein und die nötige Weisheit besitzen: "pesunder ir sullt untter auch aine erwelen die da wol sey des heiligen geists und göttlicher weißhait der selben soll man entpfelchen (=übertragen) daz ampt alles daz ein zwnemen ist daz denm goczhaus und den schwestern zw gehört und sy davon trewlich (=getreu) fürsechen (=davor beschützen)". Eigentum ist tödlich. Eine geistliche Person verschmäht die List der Welt wie den Mist: "wann ain geistlich person die versmecht hat die welt mit iren listen als den mist soll arm und nacket nach volgen dem heren". Wer die Regel übertritt, sündigt tödlich. Wer für seinen Besitz vom Oberen etwas über den Wert desselben fordert, verstößt gegen das Armutsgelübde: "all pewert (=bewährte) lerer der heiligen geschriftt schriben daz ain geistlich person untter ainer pewärten regell die da aigenschafft clain oder groß hät und daz thuet übergelten will (=vergolten haben will) iren öberen (von ihren Oberen oder zu deren Ungunsten) so sündt die selb person nit allain wider daz gelüb der armuet pesunder (=sondern) auch sy sündt wider das gelüb der gehorsam".
---
fol. 175 v: Keine Klosterfrau darf etwas besitzen, sondern es soll eine ausgewählt werden, die sich um die Einnahen kümmert. Diese muß allerdings gefestigt im Glauben sein und die nötige Weisheit besitzen: "pesunder ir sullt untter auch aine erwelen die da wol sey des heiligen geists und göttlicher weißhait der selben soll man entpfelchen (=übertragen) daz ampt alles daz ein zwnemen ist daz denm goczhaus und den schwestern zw gehört und sy davon trewlich (=getreu) fürsechen (=davor beschützen)". Eigentum ist tödlich. Eine geistliche Person verschmäht die List der Welt wie den Mist: "wann ain geistlich person die versmecht hat die welt mit iren listen als den mist soll arm und nacket nach volgen dem heren". Wer die Regel übertritt, sündigt tödlich. Wer für seinen Besitz vom Oberen etwas über den Wert desselben fordert, verstößt gegen das Armutsgelübde: "all pewert (=bewährte) lerer der heiligen geschriftt schriben daz ain geistlich person untter ainer pewärten regell die da aigenschafft clain oder groß hät und daz thuet übergelten will (=vergolten haben will) iren öberen (von ihren Oberen oder zu deren Ungunsten) so sündt die selb person nit allain wider daz gelüb der armuet pesunder (=sondern) auch sy sündt wider das gelüb der gehorsam".
---
CGM 800, FOL. 174 R-178 R: SPRUCHSAMMLUNG VOM EIGENBESITZ UND GEHORSAM IM ORDENSLEBEN
1) Der Cgm 800 enthält u.a. eine kleine Abhandlung über Eigenbesitz und Gehorsam im Klosterleben (3. fol 174 r-178 r).
fol 174 r: Der HEILIGE BENEDIKT verbietet in seiner Regel (cap.33) strengstens den Eigenbesitz im Kloster: "von allen dingen die sundt der aigenschafft (=Eigenbesitz) soll abgeschniten werden und auß gerewt (=mit der Wurzel ausgerissen, ausgemerzt; vgl. engl. root) also daz nyemant nichcz soll nemen noch gewen (=geben) an urlaub (=ohne Erlaubnis) der (des ?) prelaten und soll auch nichcz haben aigens noch kaynerlay guet weder taffel (Tisch) noch sal (Haus) noch piecher noch aigen willen noch iren leib czimpt (=ziemt es sich) im zw (lies: zu) haben in aigen willen und gewalt". Ebenso AUGUSTINUS und BERNHARD VON CLAIRVAUX. Darüber hinaus verbietet Augustinus, überhaupt etwas zu nehmen ("als sand Augustin in seiner regell die viel ringer (=kleiner, geringer) ist dann sand Benedicten regell die peut (=gebietet, befiehlt) yr süllt nichcz aigens nemen pesunder (=besonders, sondern) alle ding untter euch süllen gemain (=Allgemeingut) sein". Dazu: BIBELZITAT ("der Zwölfbote") und HUMBERTUS, der Ausleger der Regel des Augustinus: wer etwas vorsätzlich als das Seine behalten will, sündigt tödlich. Tut er dies aber nur leichtfertig, dann sündigt er läßlich. So auch INNOZENZ IV.
174 v: Hat jemand etwas, "der soll daz zw hant übergewen seinen öberen" Will eine Person es aber nicht herausrücken, "so soll man sy schaiden von der gemainschaft der samnung (=Versammlung)" und solt nicht wider auf genomen werden zw genaden piß daz sy volkumne pueß (=Buße) verpringt". Findet man nach dem Tod einer geistlichen Person Besitz, so soll dieser mit der selbigen Person zum Zeichen der ewigen Verdammnis begraben werden, und zwar nicht auf dem Friedhof, sondern im Mist ("wirt aber gefunden aigenschafft pey ettlicher person an irem endt so soll die selb aigenschafft mit sampt der selbigen person zw ainem zaichen der ewigen verdampnuß begraben werden und soll daz nit (nicht ?) geschehen in dem freithoff besunder in dem mist"). Dies hat auch GREGOR so gehandhabt (s. dialogi). Einen Grund für solche Härte nennt BERNHARD. Wer sein Gelübde nicht einhält, ist des Himmels unwürdig.-
---
fol 174 r: Der HEILIGE BENEDIKT verbietet in seiner Regel (cap.33) strengstens den Eigenbesitz im Kloster: "von allen dingen die sundt der aigenschafft (=Eigenbesitz) soll abgeschniten werden und auß gerewt (=mit der Wurzel ausgerissen, ausgemerzt; vgl. engl. root) also daz nyemant nichcz soll nemen noch gewen (=geben) an urlaub (=ohne Erlaubnis) der (des ?) prelaten und soll auch nichcz haben aigens noch kaynerlay guet weder taffel (Tisch) noch sal (Haus) noch piecher noch aigen willen noch iren leib czimpt (=ziemt es sich) im zw (lies: zu) haben in aigen willen und gewalt". Ebenso AUGUSTINUS und BERNHARD VON CLAIRVAUX. Darüber hinaus verbietet Augustinus, überhaupt etwas zu nehmen ("als sand Augustin in seiner regell die viel ringer (=kleiner, geringer) ist dann sand Benedicten regell die peut (=gebietet, befiehlt) yr süllt nichcz aigens nemen pesunder (=besonders, sondern) alle ding untter euch süllen gemain (=Allgemeingut) sein". Dazu: BIBELZITAT ("der Zwölfbote") und HUMBERTUS, der Ausleger der Regel des Augustinus: wer etwas vorsätzlich als das Seine behalten will, sündigt tödlich. Tut er dies aber nur leichtfertig, dann sündigt er läßlich. So auch INNOZENZ IV.
174 v: Hat jemand etwas, "der soll daz zw hant übergewen seinen öberen" Will eine Person es aber nicht herausrücken, "so soll man sy schaiden von der gemainschaft der samnung (=Versammlung)" und solt nicht wider auf genomen werden zw genaden piß daz sy volkumne pueß (=Buße) verpringt". Findet man nach dem Tod einer geistlichen Person Besitz, so soll dieser mit der selbigen Person zum Zeichen der ewigen Verdammnis begraben werden, und zwar nicht auf dem Friedhof, sondern im Mist ("wirt aber gefunden aigenschafft pey ettlicher person an irem endt so soll die selb aigenschafft mit sampt der selbigen person zw ainem zaichen der ewigen verdampnuß begraben werden und soll daz nit (nicht ?) geschehen in dem freithoff besunder in dem mist"). Dies hat auch GREGOR so gehandhabt (s. dialogi). Einen Grund für solche Härte nennt BERNHARD. Wer sein Gelübde nicht einhält, ist des Himmels unwürdig.-
---
Abonnieren
Posts (Atom)